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Zusatzbeleuchtung für ein 54-Liter Standardbecken installieren

Von Peregrin Preisel


Motivation:
Erst vor kurzem war's im Ziffo Thema, daß das werksmäßig eingebaute Licht von 54l Standard-Becken eigentlich viel zu schwach ausgelegt ist, wenn man will, daß die Pflanzen auch einigermaßen vernünftig wachsen. Gemeint waren damit die ganz simplen Vollglasbecken mit schwarzer Abdeckung, wo meistens eine Tyburski 15W Daylight-Leuchtstoffröhre ihr Werk verrichtet, man trifft sie in jedem Baumarkt und auch sonst den meisten Zoogeschäften an. Auch die 54l Juwel-Becken sind von der Bauweise her nichts anderes.

Die Tyburski-Lampen sind glaube ich gar nicht mal schlecht (meiner Meinung nach sogar besser als manche Röhre namhafter Hersteller). Das Problem ist unter anderem aber auch der Reflektor besagter Becken. Es ist ein Stück dünnes Alublech, das erstens keine Parabelwölbung hat, sondern eher einen Knick mit 10mm-Radius und zweitens sich an einem Kunststoffkasten abstützt, der sich (wenn man von vorne auf das Aquarium draufschaut) hinter der Röhre befindet. Der Erfolg ist, daß ein Großteil des Reflektierten und direkt scheinenden Lichts den Betrachter vor dem Aquarium anstrahlt (bei meinen Becken ist sogar noch ein heller Fleck am Fußboden erkennbar!), aber leider durch die unglückliche Anordnung der hintere Beckenteil viel zu kurz kommt. Dort ist genauer gesagt der schwarze Kunststoffkasten für das Vorschaltgerät und den Starter-Kondensator im Weg, der das meiste Licht abschattet. Auch der Reflektor läuft nach vorne flach aus, sodaß quasi gar kein Licht nach hinten geworfen werden kann.

Ich habe mich daher entschlossen, diesem Übel mit zwei 11W Energiesparlampen (manchen von denen ich unterstelle, daß sie auch gar kein so übles Aquaristik-Spektrum haben...) entgegenzuwirken. Gesagt getan, hab ich alles brav fotografiert. Im Prinzip kann jeder, der so ein Becken hat und mehr Licht will, sich nach folgender Baunaleitung richten. Es hilft vielleicht, wenn man schon einmal irgendwas im Haus verkabelt hat, großartige Elektrotechnikkenntnisse braucht man sicher nicht.

Verwendetes Werkzeug:
• KEIN Lötkolben (vor dem haben manche Angst!),
• Silikonkartuschenspritze,
• Abisolierzange, Glasschneider,
• Kombizange,
• Lineal,
• Stichsäge (Holz- und Kunststoff/Metall-Sägeblatt),
• Lochsäge (die mit dem Bohrer in der Mitte),
• Ständerbohrmaschine (geht auch ohne),
• Handbohrmaschine (geht nicht ohne),
• Flachfeile, kleinen Schlitzschraubenzieher, Kreuzschlitzschraubenzieher, Stanleymesser
Material:
• ca. 0.5 m 3-poliges Hausinstallationskabel (also ein gwöhnliches mit Erdungsleitung und PVC-Iso.),
• 19mm-Möbelholz-Plattenverschnitt, Reste, etwa 5*20 cm^2 - Streifen, eine Jausendose ;-) ,
• Aquariensilikon, Bilderrahmenglas (3 mm), zwei Rechtecke 6*13 cm²,
• 1-poliges PVC-isoliertes Kabel (~30 cm oder so), 2 Lusterfassungen,
• 2 11W-Energiesparlampen E27 (besser mit eckigem Sockel, siehe später), Blockklemmen

Zeitaufwand, Kosten:
Ein ausgedehnter Nachmittag ...
Nicht teuer, vielleicht alles zusammen so Euro 10,- - Euro 12,-.
Kann nur schätzen, hatte alles Material zuhause herumliegen.

Bauanleitung:

So schaut die Abdeckung also aus, wenn man sie vom Aquarium runternimmt:

In meinem Fall war es ein altes Überbleibsel irgendwoher, eine Juwel-Abdeckung. Am dritten Bild sieht man, daß links oben ein Stück fehlte. Das hat einmal wer rausgesägt, vermutich zur Entlüftung. Mit dem jetzt beschriebenen Lampeneinbau hat es jedenfalls nix zu tun. Oben befanden sich zwei gleiche schwarze Kunststoffdeckeln. Der vordere, um das Aqu. zu beschicken, ließ sich leicht öffnen, der hintere war festgeklebt. Mit Gefühl und etwas Gewalt ging auch der hintere runter. Da kam folgendes zum Vorschein:

Statt dem Zeug sollten die Energiesparlampen rein. Vielleicht wäre sich eine und das Vorschaltgerät ausgegangen, beide Energiesparlampen aber sicher nicht:

Also alles raus!
Das Vsg. moduliert für die Leuchtstoffröhre die Spannung, die Energiesparlampe braucht 230V ~ vom Netz. Da ich das Vorschaltgerät aus der Abdeckung auslagerte, mußte ich statt dem zweipoligen Kabel ein dreipoliges in die Abdeckung führen, um gleichzeitig Leuchtstoffl. und Energiespl. (mit der jeweils richtigen Spannung) versorgen zu können.

Der Starter ist nicht so schlimm groß und durfte drinnen bleiben.

Nachdem ich mir die Energiesparlampen in das Kunststoffgehäuse hineingelegt und ein wenig herumprobiert hatte, wußte ich ungefähr, wo die Öffnungen hinmußten, die das Licht ins Becken scheinen werden ließen. Ich habe mir von "innen" die linke und rechte Begrenzung dafür markiert (beide Ausschnitte gleich breit) und dort mit einem 10mm-Bohrer erst einmal durchgebohrt (damit ich später dort das Stichsägeblatt einfädeln konnte). Auf der Abdeckungsunterseite habe ich dann von den Bohrungen ausgehend, die Begrenzung noch einmal nachgezeichnet und bis an den Rand gezogen. Vom Rand weg ging ich etwa 10 mm parallel hinein und zeichnete die Längsseite der Öffnungen ein. Ich hatte jetzt also zwei rechteckige "Fenster", ca. 11*6 cm^2 groß.

Mit der Stichsäge sägte ich nun die Fenster aus (Kunststoffsägeblatt, langsame Schnittgeschwindigkeit, sonst schmilzt der Kunststoff durch die Reibung beim Sägen!).

War das geschehen, hab ich mit der Feile noch die Fransen weggenommen. Dann von innen die Öffnungen abgemessen und mir aus Glas Rechtecke gebrochen, die etwa 5 mm Überstand an der Längsseite und 1 cm Überstand an der Breitseite des Fensters hatten. So, daß es sich im Gehäuseinneren eben noch ausgeht.

Apropos Glas: Wenn man solche Reste zuhause nicht herumkugeln hat, ist es am einfachsten, man kauft sich einen rahmenlosen Bilderhalter im Baumarkt. Der kostet nich viel und das Glas hat die richtige Stärke, etwa 3 mm. Glasschneider sind auch nicht teuer.
***Hinweise*** für Leute, die noch nie mit Glas gearbeitet haben:
Wenn man Glas schneidet, dann schneidet man es eigentlich nicht, sondern bricht es an einer vorher geritzten Sollbruchstelle. Es gibt schon auch Verfahren, die Glas schneiden, die sind aber aus Kostengründen normalerweise nicht im Heimwerkerbereich angesiedelt. Ein Glasschneider kostet im Eisenhandel vielleicht € 2,- und ist im einfachsten Fall ein Griff, auf dem ganz vorne ein kleines Hartmetallrädchen geführt wird. Legt man die Glasplatte auf eine feste, unnachgiebige Unterlage und fährt unter herzhaften Druck mit dem "Schneider" darüber, so kann man, wenn man es richtig gemacht hat, ein leises knistern hören. Glas bricht spröde, dort, wo man mit dem Rädchen drüberfährt entstehen durch die punktuelle Druckverteilung Mikrorisse im Glas, die von der Oberfläche vielleicht ein paar Hundertstel bis 1 Zehntel-mm hinunterreichen. Wer sich schon einmal darüber gewundert hat, warum Glas manchmal als Flüssigkeit betrachtet wird, der sei auf das Rekristallisierungsvermögen von Glas aufmerksam gemacht. Um Rekristallisierungseffekte zu vermeiden, streicht man vor dem Ritzvorgang mit einem nassen Finger über die angezeichnete Linie darüber. Wird dann geritzt, benetzt automatisch das Wasser die entstandenen Krater und Mikrorisse in der Kerbe, Rekristalisation wird dadurch besser unterbunden, man will ja schließlich, daß das Glas an der geritzten Stelle später auch wirklich bricht (das macht die Sache nämlich spannend). In dem Zusammenhang sei auch empfohlen, daß man sich bei seinen ersten Versuchen auf gerade Brüche beschränkt und auch nicht gleich versucht, weiß ich wie schmale Streiferl zu brechen. So, wenn geritzt wurde, wirds spannend. Nicht zuviel Zeit verstreichen lassen, sonst kommt es zur Spannungsrelaxation in der Kerbe und das Material ist nur mehr bedingt dazu verleitet auch wirklich dort zu versagen. Also Ritzen, sagen wir mal am Küchentisch, dann Platte in beide Hände nehmen, eine links, eine rechts von der Bruchstelle, über der Tischkante zielen und nicht wie ein Perserker, dennoch entschlossen die Platte über der Kante brechen. Die Arbeitssicherheit läßt sich erhöhen, wenn man erstens Arbeitshandschuhe anzieht und am besten auch noch eine Schutzbrille (ich kneif für den gefährlichen Moment immer die Augen zu). Ist die Platte richtig und auch nur in zwei (!) Teile gebrochen, sollte man sich nun über die Kantenentschärfung Gedanken machen. Dazu möcht ich Polierleinen empfehlen, 320er. Öl oder Wasser verwenden, auch weil es die Splitter besser bindet und abführt. Am besten über der Abwasch arbeiten. Hier unbedingt Schutzhandschuhe anziehen, denn wenn man das Leinen durchwetzt, fährt man sonst mit der bloßen Hand wunderbar über die scharfe Glaskante drüber!
Nach der ganzen Arbeit auf jeden Fall alles im Umfeld aufkehren und saugen, da speziell beim Brechen sich die winzigen Splitter aus der Bruchstelle recht weit verteilen.
Ich hatte beim ersten Glasbrechversuch einigermaßen Herzflattern, einmal getan ist es aber keine große Hexerei.
***Ende Glashinweise***

Dann hab ich die Scheiben mit Silikon wasserdicht von innen eingeklebt und verschmiert.

Probehalber hab ich einmal die Energiesparlampen draufgelegt. Ich hatte verschiedene und festgestellt, daß die mit eckigem Sockel so reinpassen, daß der Deckel nachher auch wieder zugeht, die runden waren im Durchmesser aber ein paar Millimeter zu groß, wie man im folgenden Bild sieht:

Als nächstes waren die Halterungen für die Fassungen dran. Ich wollte es schnell und einfach machen und habe daher aus ein paar 19 mm Preßspanplattenresten solche Sockeln gebohrt/gesägt:

Genauer gesagt habe ich mit einer Lochsäge zuerst ein 38 mm - Loch gebohrt (paßte genau für die Fassungen) und dann diese entzwei geschnitten, schließlich nach einigem Probieren und Ausmessen die Innenkontur des Gehäuses hingekriegt, daß die Sockeln genau reinpaßten. Zwei für jede Fassung, damit sichs mit der Breite ausgeht (2*19 mm = 38 mm).

Da alles richtig hingehaut hatte, lagen nun die leuchtenden Teile der Lampen genau über den Glasfenstern ;-). Also habe ich die zwei Holzsockel aneinander und in den Kunststoffkasten hineingeklebt.

Damit die Fassung da drin nun auch liegen blieb, hab ich ganz simpel mit zwei kleinen Schräublein und einem Gummibandel abgeholfen. Das könnte man sicher schöner lösen, ich wollt aber einfach schnell fertig werden und prinzipiell hält es so auch ganz gut:

Jetzt war die Elektrik dran:

Das Vorschaltgerät hatte nun keinen Platz mehr in der Abdeckung und fand daher in der Jausendose sein neues Zuhause. Also einfach hineingeklebt... wieder mit Aquariensilikon, der war grad da. Dann mit der Handbohrmaschine zwei 7 oder 8 mm - Löcher gebohrt, um dort nachher die Kabeln durchzuführen. Hier war es auch angebracht, sich über eine Zugentlastung Gedanken zu machen, oder zumindest die Löcher so eng zu bohren, daß sich das Kabel nur sehr streng durchschieben läßt.

Also vom Netz kam ich mit dem zweipoligen Kabel (das ja von der Original-Abdeckung mit Stecker und Schalter da war) in die Jausendose und schloß beide Leiter an eine zweireihige Blockklemme an. An der anderen Seite der Blockklemme schloß ich eine Leitung am Vsg. an (dünnes, weißes Kabel im Bild oben).

Für zwischen Jausendose und Abdeckung war das dreipolige Kabel vorgesehen:

Ich schloß die BLAUE Litze da an, wo auch schon das Vsg. hing. An die zweite Klemme kam die BRAUNE Litze. Die GELB-GRÜNE Litze schloß ich am Vorschaltgerät an. Natürlich ist es für die Stromleitung wurscht, welche Farben das Kabel hat, ich schreib das nur, weil ich nachher für die Anschlüsse in der Abdeckung auch die Litzen nach der Ummantelungsfarbe bezeichne und man sie nicht vertauschen sollte (!). Schon fertig, Dose zu.

Nur weil der Deckel nicht hielt, hab ich das Abdeckklebeband drumherumgewickelt. Naja, ich werd sie nachher wo hinstellen, wo sie keiner sieht ;-).

Zurück zur Abdeckung: Als ich vorhin das Kabel aus der Durchführung entfernte, war eine Zugentlastung aus Gummi geblieben. Die wollte ich wieder verwenden, das war mit dem dickeren 3-poligen Kabel aber gar nicht so einfach. Außerdem hab ich das alte Loch im Gehäuse zugeschmiert und ein neues weiter in der Nähe des Starters gebohrt um Platz für die Lampen zu gewinnen. Das Kabel ließ ich so weit ins Gehäuse, daß die Anschlüsse zwischen den zwei Lampen Platz fanden. An das BRAUNE Kabel schloß ich über eine dreireihige Blockklemme sowohl für die Energiesparlampen wie auch für die Leuchtstoffröhre eine Leitung an. An das BLAUE Kabel dann jeweils die zweite Leitung für die Energiesparlampen (also die zwei parallel). An das GELB-GRÜNE Kabel die zweite Leitung der Leuchtstofflampe, klar, da kommt die modulierte Spannung vom Vorschaltgerät her. Ein Kabel, das zu einer Leuchtstoffröhrenfassung führte, war nun zu kurz. Also hab ich die auch noch ausgebaut und ein längeres angeschlossen:

Es folgte der erste Probelauf. Es leuchtete erwartungsgemäß. So richtig hell kam mir die Energieparlampe nicht vor... dauert etwas, bis sie ihre Betriebsehlligkeit erreicht... trotzdem war ich auch mit der Betriebshelligkeit nicht ganz zufrieden und ich hab deswegen noch zwei kleine Reflektoren aus dünnem Alublech (8.5*12 cm^2) gebogen:

War dann wesentlich besser! Auch auf folgenden Fotos merkt man etwas von dem deutlichen Unterschied:

Eine zweite Fassung muß ich mir noch besorgen, die hatte ich nicht zuhause. Wenn jemand das ganze nachbauen mag, dem wünsch ich auch viel Erfolg. Ich denke, es zahlt sich aus. Zeit braucht man allerdings dazu.

Hinweis: Aus sicherheitstechnischen Gründen empfiehlt der Autor, alle selbst hergestellten Konstruktionen, die elektrische Komponenten enthalten,  von einem Fachmann herstellen zu lassen! Für diese Konstruktionsbeschreibung und die technische Umsetzung in einer dauerhaft sicherheitstechnisch ungefährlichen Lösung und deren praktische Verwendung zum beschriebenen oder einem anderen Beleuchtungszweck wird vom Autor und Zierfischforum.at keinerlei Haftung übernommen.

© Text, Bilder: Peregrin Preisel, mit freundlicher Genehmigung des Autors

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