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Rekordschnecke der Art Pomacea canaliculata im Aquarium

Von Jürgen Haberstroh


Apfelschnecken der Familie Ampullariidae - Gattung Pomacea (Synonym: Ampullaria) sind beliebte Pfleglinge im Aquarium. Es gibt sie mit gelbem, braunem, bläulichem Gehäuse und den verschiedenen Farbzwischentönen (Pomacea bridgesii). Die Pflege und Zucht im Aquarium ist einfach, wenn man bei der Vergesellschaftung berücksichtigt, dass manche Fischarten gerne an den langen Fühlern und dem Atemrohr zupfen können. Ungeeignete Beifische für Pomacea sp. sind zum Beispiel die meisten Barbenarten (Sumatrabarbe, Viergürtelbarbe, Prachtbarbe), Schmerlen und Schmerlenartige (Prachtschmerle, Zebraschmerle, Labeos) und Paradiesfische - wie würden die Fühler und das Atemrohr beschädigen und das Luftschöpfen der Schnecke behindern oder zumindest erschweren. Die Schnecken können verkümmern, im schlimmsten Fall zugrunde gehen oder ihre Lebensweise in die Nachtstunden verlagern, wo man sie naturgemäss kaum noch beobachten kann.

Vorkommen:
Gattung Pomacea südliche USA, Mittelamerika, Kuba, Südamerika bis Rio de La Plata.
Gattung Marisa in Florida, Kuba, Mittelamerika (Panama), Südamerika bis Rio de La Plata
Eine Apfelschnecke auf der Aquariumscheibe
Die Pflege im Aquarium erfolgt am erfolgreichsten bei Temperaturen von 18 °C bis 28 °C und mittelhartem Wasser. Höhere Temperaturen sind kurzfristig möglich. Die Karbonathärte sollte bei neutralem pH-Wert wenn möglich nicht unter 8 ° dKH fallen, ansonsten kann es zu Löchern im Schneckenhaus (Kalziummangel) kommen. Ebenso hat sich Kohlendioxid-Zugabe als Pflanzendünger als nicht vorteilhaft für die Entwicklung des Gehäuses herausgestellt - gelöste Kohlensäure hält im Aquarium den Kalk in Lösung und kann langfristig auch schwerlösliche Kalziumkarbonate (und Schneckenhäuser!) auflösen.

Im Weichwasser ist die Pflege dennoch nicht unmöglich, wenn man den Schnecken regelmässig kalziumhältige Futtermittel anbietet. Erreichen könnte man das z.B., indem man für die Schnecken ein eigenes Gelatine-Futter, angereichert mit einer Mineralstoffmischung (Vitakalk) oder fein gemahlenen Sepia-Schalen anbietet. Als Hauptbestandteile des Futters verwendet man pürierte Erbsen, Löwenzahnblätter, Salatblätter, Karotten, Fischfutter und Blattspinat. Nebenbei - auch Welse und die meisten Zierfische fressen sehr gerne von dieser Futtermischung. Die Gelatine ist notwendig, um die feinen Bestandteile des Spinats und der Erbsen zu binden und eine Wassertrübung zu vermeiden.

Wie alle wirbellosen Tiere reagieren auch Schnecken sehr empfindlich auf Spuren von Schwermetallen im Aquarium. Bei Behandlungen mit kupferhältigen Präparaten sind die Schnecken deshalb unbedingt aus dem Aquarium zu entfernen. Ebenso sollte beim Teilwasserwechsel auf Warmwasser (Boilerwasser) verzichtet werden und die ersten 5 Liter aus der Kaltwasserleitung nicht für den Wasserwechsel verwendet werden, um eine allmähliche Anreicherung ausgefallener Schwermetalle im Aquarium-Bodengrund zu vermeiden.

Pomacea canaliculata im Aquarium

Pomacea bridgesii blau

Links: Detailaufnahme des Fuß- und Kopfbereiches der Apfelschnecke Pomacea canaliculata. Gut zu erkennen sind das Atemrohr, die Augen, Fühler und der grosse Mund.
Rechts: Pomacea bridgesii Apfelschnecke, hier eine blaue Zuchtform.

Apfelschnecken verlassen als Lungenschnecken im Gegensatz zu vielen Kiemenschnecken auch gerne mal das Aquarium - eine Abdeckung des Aquariums ist daher notwendig. Obwohl die Schnecke einige Stunden ausserhalb des Aquariums überleben kann (sie verschliesst sich dann mit ihrem Gehäusedeckel), so würde doch der Aufprall auf dem Boden das Gehäuse beschädigen - oft das Todesurteil für die Schnecke.

Abgelaicht wird ebenfalls ausserhalb des Aquariums. Die Gattung Pomacea ist zweigeschlechtlich, d.h., zur erfolgreichen Vermehrung sind Männchen und Weibchen erforderlich. Die Geschlechtsbestimmung ist makroskopisch äusserst schwierig und lässt sich eigentlich erst bei der Paarung oder der Eiablage feststellen. Die Weibchen legen ihre Eier in einer himbeer- bis erdbeergrossen Traube am Beckenrand oder in der Abdeckung des Aquariums ab. Eine hohe Luftfeuchtigkeit ist zur Entwicklung des Geleges erforderlich. Abhängig von der Temperatur schlüpfen 200-600 Jungschnecken nach 30-40 Tagen, sie fressen sich durch die Eihülle und fallen ins Aquarium. In der Natur wird an ins Wasser herabhängenden Zweigen oder emersen Wasserpflanzenstängeln abgelaicht. Mehr muss man eigentlich nicht beachten. Sollte sich einmal ein Gelege lösen, kann man es auf ein kleines Styroporfloß legen und auf der Wasseroberfläche treiben lassen, bis die Schnecken schlüpfen.

Apfelschnecken sind Allesfresser und nehmen von Algen über abgestorbene Wasserpflanzenblätter bis hin zu Futtertabletten eigentlich alles, was man ihnen anbietet und ins Maul passt. An gesunden Wasserpflanzen naschen Pomacea-Arten erst, wenn keine andere Nahrung zur Verfügung steht. Daneben wird die Nahrung mit einem wirkungsvollen Raspelmaul abgeschabt, in Algenbelägen an der Aquariumscheibe kann man die typischen zackigen Frassspuren gut beobachten. Nur Pomacea bridgesii benötigt auf jeden Fall pflanzliche Zusatzkost, um sie erfolgreich im Aquarium zu pflegen. Marisa cornuarietis vergreift sich hingegen gerne an Wasserpflanzen.

Gelege der Apfelschnecke kurz nach dem Ablaichen

Eier der Apfelschnecke drei Tage nach dem Ablaichen

Links: Eier von Pomacea canaliculata, kurz nach dem Ablegen. Unten im Bild eine südafrikanische Rennschnecke (Neritina natalensis).
Rechts: einige Tage nach dem Ablaichen beginnt das Gelege seine Farbe zu verändern und auszuhärten.


Marisa cornuarietis gelb und braun

Eier von Marisa cornuarietis

Ein weiterer beliebter Vertreter der Apfelschnecken ist die Amerikanische Posthornschnecke, Marisa cornuarietis. Die gestreifte Form stellt die Wildform dar, die gelbe Form ist eine Zuchtvariante. Sie besitzt ebenfalls ein Atemrohr wie die Vertreter der Gattung Pomacea, legt ihre Eier jedoch im Gegensatz in einem gelatinegeschützten Eiballen unter Wasser ab (Bild: auf einem Speerblatt)

Die Gattung Pomacea setzt sich aus mehreren Arten zusammen: Pomacea bridgesii und Pomacea canaliculata werden am häufigsten im Aquarium gepflegt und vermehrt. Bis vor gar nicht langer Zeit waren beide Arten unter der veralteten Bezeichnung Ampullaria gigas bekannt. Beide erwähnten Arten sehen sich zum Verwechseln ähnlich und können ab einer gewissen Grösse makroskopisch eigentlich nur am Winkel zwischen Gehäusewindung und Gehäusedeckel unterschieden werden. Während A. canaliculata bis zu 8,8 cm gross wird, erreicht P. bridgesii etwa 6,5 cm Durchmesser.

Die Eier von P. bridgesii können in der Traube unterschiedlich gefärbt sein, von weisslich über beige bis hin zu rosa sind alle Farben möglich. Die Eier von P. canaliculata sind orange bis lachsrot.

Auf dem Massband werden 8,8 cm gemessen

Die Apfelschnecke wird vermessen

Die 'Rekordschnecke', von der die meisten Bilder auf dieser Seite stammen, bekam ich von einem Bekannten überreicht. Sie weist zahlreiche Läsionen des Panzers auf, hervorgerufen durch eine Pflege in zu weichem Wasser. Sie ist etwa 5 Jahre alt. Als Höchstalter wird für Apfelschnecken in manchen Quellen 10 Jahre angegeben.
Beim Vermessen wurde ein Durchmesser des Schneckenhauses von 8,8 cm festgestellt. Durch einen glücklichen Umstand sorgte das Weibchen bereits einige Tage nach dem Einsetzen ins Becken für eine Gelegetraube in einem meiner Becken. Da die Schnecke als Einzeltier vom Pfleger abgegeben wurde und im späteren Aquarium noch Pomacea bridgesii gehältert wurden scheint es möglich zu sein, dass sich das Weibchen mit einem Pomacea bridgesii Männchen fruchtbar gepaart hat. Ob sich das Gelege entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Die Eizahl beträgt etwa 200 Stück, die Eigrösse schwankt von 1,5 mm bis 3,8 mm. Mehrere Eier weisen eine Grösse von 4 mm auf.

Fühler, Mund und Atemrohr der Schnecke

Die Unterseite mit Gehäusedeckel

Links: 'Fahrwerk' (Fuss), Fühler, Mund und Atemrohr der Schnecke
Rechts: Die Unterseite der Schnecke mit Gehäusedeckel. Am Winkel zwischen Gehäuse und Gehäuseöffnung kann man die Arten bestimmen, bei P. canaliculata weniger als 90°, bei P. bridgesii etwa 90°.


Zum Abschluss noch eine kleine Bilderserie von Makro-Aufnahmen, die die Mundöffnung der Schnecke zeigen:

Pomacea canaliculata Mund

Pomacea canaliculata Mund mit Schabewerkzeugen

Pomacea canaliculata Mund

Pomacea canaliculata Mund

Der Mund öffnet sich.

Die Schabewerkzeuge...

... werden sichtbar und

... Schwebeteilchen von der Wasseroberfläche gesaugt


Eine empfehlenswerte Seite, die sich detailliert mit Apfelschnecken auseinandersetzt, findet sich auf applesnail.net
Ein x-large Bild der Apfelschnecke im Aquarium (1,7 MB) gibts hier zum Ansehen 


© Text, Bilder: Jürgen Haberstroh

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