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Erfahrungen in der Haltung und Vermehrung von Aplocheilus lineatus – dem Streifenhechtling

Von Leo Wurzer


Mehr oder weniger durch Zufall bin ich zum ersten Paar dieser schönen Art gekommen – Ein Aquarianer in der Nachbargemeinde war dabei, ein Becken aufzulösen - ich war mehr auf der Suche nach Pflanzen, denn nach Fischen – aber als ich das Fischpärchen sah, habe ich sie gleich mitgenommen, zumal ich damals gerade begann, meinen aquaristischen Horizont in Richtung Killifische zu erweitern.

Dazu auch gleich eine nette Geschichte am Rand – Weil das Bild vom A. lineatus im Mergus Aquariumatlas Band 1 – recht schlecht ist, wußten wir nicht sicher, welchen Fisch wir da wirklich vor uns hatten. Eigentlich schade, das Bild im Mergus ist wirklich unglücklich aufgenommen, verglichen mit Bildern, die in einem „Aqualog“ oder im „Kosmos Atlas Aquarienfische“ drin sind.
Immer wieder faszinierend: das Türkis der Augen von den Männchen muß man in natura gesehen haben. Von oben betrachtet, sieht man – zumindest bei meinen Aquarienstamm-Tieren, daß die Brustflossen der Männchen eine hellblaue Färbung drin haben.

Die Eingewöhnung der Beiden war nicht das große Problem, ich hab’ aus der Leitung das gleiche Wasser. Das Weibchen war leider recht zerzupft, da in dem Becken zum einen noch Buntbarsche (L. dorsigera und C. maronii) mitdringesessen hatten und Salmler (M. sanctaefilomenae) mitdringesessen hatten und zum zweiten fast keine Pflanzen mehr im Becken waren.
Ich hielt die Neuankömmlinge getrennt, weil ich merkte, daß das ohnehin zerzupfte Weibchen fest vom Männchen gejagt wurde.

An das Futter stellten sie beide keine großen Ansprüche. Sie wollen offenbar große Brocken, die ins Wasser fallen und dann nicht unmittelbar hinterher untergehen. Tetra Cichlidensticks haben sich bei mir bewährt – und so was waren sie offensichtlich auch vom Vorbesitzer her gewöhnt. Gibt es Lebendes, wie z.B. dicke Käferlarven, die ich hinter der Rinde von Baumstümpfen sammle (Mundwerkzeuge vorher entfernen) oder Regenwürmer, muß man diese mit der Pinzette festhalten, bis die Fische angebissen haben. Einmal zu Boden gesunkenes Futter wird so gut wie nicht beachtet – weshalb die Haltung zumindest einer Schneckentruppe oder einer Handvoll anderer Bodenfische (Barben, Panzerwelse, Ancistrus oder so was) sehr zweckmäßig ist. Übrigens: Stubenfliegen sind ein wahrer Leckerbissen, ebenso kleinere Spinnen, Florfliegen und Kellerasseln.

Auf meinen Recherchen im Internet zur Vermehrung wurde ich bald fündig – eines hat mich gleich zu Beginn neugierig gemacht: die Laichkörner der Art sollten recht groß sein – von fast 2 mm Durchmesser war da die Rede. Fein, hab’ ich mir gedacht, immerhin gelang es mir nie, von meiner damals zweiten Killiart, dem Epiplaty dageti monroviae, Laichkörner zu entdecken. Ich wollte mal Killi-Laichkörner in echt und in Farbe sehen und begann, das Weibchen gescheit anzufüttern – es hatte ein 60cm-Becken für sich alleine, in dem ich noch einige Javamoosbüschel am Boden per Stein, Wurzel bzw. Pflanzen-in Tontöpfen platzierte.
Als ich das Männchen dazusetzte, begann ein recht zärtliches Liebesspiel, das ich hier kurz beschreiben möchte:

Aplocheilus lineatus

Die Tiere begrüßen sich indem sie beide recht ruhig im Wasser hängen und die Flossen zusammenklemmen. Das Weibchen läuft entlang der Oberlinie seitlich dunkel/grau an –
sehr interessant zu sehen, ich hoffe, man kann es auf den Foto halbwegs erkennen.
Dann beginnen sie, einander zu umschwimmen, wobei das Weibchen der aktivere, bewegungsfreudigere Teil ist, und das Männchen alsbald versucht, mit weit gespreizten Flossen sich in aller Schönheit und Majestät zu zeigen. Dabei zeigt er ihr seine Breitseite und steht zumeist parallel zu ihr im Wasser wenn auch nicht immer in die gleiche Richtung wie sein Weibchen blickend.

ann beginnen sie, einander zu umschwimmen, wobei das Weibchen der aktivere, bewegungsfreudigere Teil ist

abei zeigt er ihr seine Breitseite und steht zumeist parallel zu ihr im Wasser

Mit überraschender Geschwindigkeit taucht das Weibchen ab, um einen Platz zum Ablaichen zu suche

Dann geht es recht rasch: Mit überraschender Geschwindigkeit taucht das Weibchen ab, um einen Platz zum Ablaichen zu suchen. Bei vielen Laichgängen, die ich mit den zwei Paaren, die ich dabei beobachten durfte gesehen habe, wurden dafür immer Gegenden in Bodennähe ausgesucht. Das Männchen schwimmt recht schnell hinterher und muß sich offensichtlich anstrengen, um mit dem Tempo, das seine Umworbene vorlegt mithalten zu können.

Dann geht’s kurz und bündig zum Ablaichen – die Tiere pressen sich seitlich aneinander und unter leichtem Zittern wird ein Ei (?) abgegeben. Die Bilder sprechen für sich, offensichtlich übt auch ein Filtereinlauf eine gewisse Anziehungskraft für das Weibchen aus.

Die Tiere pressen sich seitlich aneinander und unter leichtem Zittern wird ein Ei abgegeben

Nach dem Ablaichen flüchtet das Weibchen sofort und mit noch höherer Geschwindigkeit und das Spiel beginnt von vorn

Nach dem Ablaichen flüchtet das Weibchen sofort und mit noch höherer Geschwindigkeit und das Spiel beginnt von vorn.

Wer Männchen und Weibchen zusammen über längere Zeit pflegen will, muß Pflanzendickichte und Verstecke für das Weibchen schaffen. Die Männchen sind generell nicht so gewandte Schwimmer wie die Weibchen, das Weibchen braucht aber dringend Unterstände, Verstecke usw., um sich zeitweise dem Blick des Männchens zu entziehen. Fehlen diese Verstecke, leidet die Kondition des Weibchens sichtlich. Bei mir hat sich dafür im 200l-Gesellschaftsbecken ein Busch driftender Rotala macandra bewährt. Ich warne aber ausdrücklich, diese Pflanze ohne CO2-Düngung und ohne pflanzenfreundliches Licht zu pflegen – zudem braucht sie weiches Wasser und ein umfangreiches Düngeprogramm. Wer sich das nicht antun will, soll auf den in Aquarianerkreisen unter „Schwimmfarn“ bekannten Hornfarn (Ceratopteris cornuta) oder eine ähnlich pflegeleichte Pflanze ausweichen.

Wenn man die Tiere das erste Mal zur Zucht ansetzt, sollte man sich das Ernten von ein paar Laichkörnern nicht entgehen lassen. Obwohl sie recht groß sind, hat man keine Chance, sie von außerhalb des Beckens zu sehen. Dazu muß man das Javamoos, wo sie meist dransitzen, herausnehmen und vorsichtig abtasten – bald findet man Laichkörner in Mengen. Meist hängen sie einzeln im Moos, selten sind zwei, sehr selten drei relativ eng beieinander, ich vermute, sie legen jeweils nur ein Ei. Auch am Grund von Stengelpflanzen kann man welche finden.

Eier von Aplocheilus lineatus

Naja, ich habe sie mal auf einer Plexiglasscheibe und auf kariertem Papier fotografiert – sind wirklich riesig, man kann sie gut angreifen, sie sind recht robust – ein nettes Erlebnis, nur wenige Laichkörner unserer Aquarienfische haben diese Größe!

Die einfachste Methode, an Jungfische zu kommen, ist die Laichkörner einfach in Ruhe im Ablaichbecken zu belassen, den Wasserspiegel zu senken und abzuwarten. Gegebenenfalls den Motorfilter abstellen. Sonst: Lufthebefilter oder HMF sind von vorneherein „jungfischfreundlich“. Ich habe mit der Lagerung der Laichkörner in einer Plastikbox mehr schlechte als gute Erfahrungen gemacht. Ein recht großer Teil der Eier verpilzt – auch wenn man Erlenzäpfchenwasser, oder Torfwasser verwendet.
Wenn man Laichkörner verschicken oder für jemanden mitnehmen will: am besten frisch geerntet in richtig nassen Torf stecken.
Ein Killifreund hat bereichtet, es würde auch funktionieren, wenn man die Laichkörner in ein Glasröhrchen mit Wasser gibt – ausgediente Artemia-Röhrchen werden dazu verwendet – dazu kommt ein pilzhemmendes Mittel ins Wasser – der Name des Mittels ist mir nicht mehr in Erinnerung, wollte das nur am Rande erwähnt haben.

Dafür kann man bei Laichkörnern, die in einer Schüsssel gelagert werden, schön die Entwicklung des Ebryos mitverfolgen. Um das besser dokumentieren zu können, würde ich ein Mikroskop mit Möglichkeit zum Fotografieren benötigen. Mit unbewaffnetem Auge bzw. einer Lupe kann man das aber auch schön mitverfolgen, die anfangs klaren Laichkörner werden immer dunkler, am Ende der Entwicklungszeit sieht man den Fisch eingerollt im Ei liegen. Wirklich sehenswert für jeden biologisch interessierten Menschen.

Nach einer guten Woche (8-10 Tage) schlüpfen die Jungfische. Sie stehen dicht unter der Oberfläche und sind recht groß – verglichen mit anderen Jungfischen. Ich hab’ sie abgeschöpft und zu Anfang in einer Box aufgezogen, weil sie dort das Futter leichter finden. Erstfutter Artemia-Nauplien, die Jungfische wachsen sehr flott und bald kann man mit FD-Futter weiterfüttern. FD deshalb, weil es schön lange schwimmt. In einem Buch habe ich den Tip gelesen, man soll nicht zu viele Jungfische aufziehen. Dem muß ich wiedersprechen: hat man zu wenige, wachsen sie stärker auseinander und sind agressiver untereinander. Bei 12-15 Jungfischen verteilt sich das besser, man kann diese Menge gut bis zur „Verkaufsgröße“ (ca. 4-5 cm) in einem 60cm-Becken halten, die Höhe des Wasserspiegels spielt dabei keine große Rolle.

Jungfische von Aplocheilus lineatus

Jungfische von Aplocheilus lineatus

Wenn man Schwierigkeiten mit sich gegenseitig stark bekämpfenden Jungfischen hat, hilft es, die Oberfläche mit dickeren Holzstücken, die schwimmen, aufzuteilen. Solche Holzstücke sorgen für weniger Blickkontakt und ich bin mir fast sicher, daß sich die Fische in der Natur auch gern zwischen im Wasser treibenden Ästen aufhalten. Gut gefütterte Tiere sind von Haus aus ruhiger, wer's probiert, wird merken, daß die ganz nett was wegpacken.

Bisher hatte ich immer ein ungünstiges Geschlechterverhältnis – sehr männchenbetont. Nur ca. 10-30% Weibchenanteil. Dafür hat die Zoohandlung meines Vertrauens einen Schwung Jungfische gern genommen – da sie relativ unproblematisch in Haltung und Vergesellschaftung sind, und dazu schön ausschauen, ist der „Lineatus“ einer der wenigen Killifische, die man immer wieder in Händlerbecken sitzen sieht, offensichtlich haben sie ein breiteres Publikum, als andere Killis.

Nun noch ein Wort zur Vergesellschaftung: Es sind Fische, die sich in einem Gesellschaftsbecken fast immer an der Oberfläche aufhalten. Sie lieben es, sich zeitenweise in einen Büschel feiner Pflanzen, die an der Oberfläche treiben zu verkriechen.
Ich hatte mit Platys, Schlußlichtsalmlern, Trauermantelsalmlern und Panzerwelsen keinerlei Probleme, sie kommen auch mit Zwergbuntbarschen (Apistogramma, Nannacara, Laetacara usw.) sehr gut aus. Auch kenne ich ein Becken, das sie sich mit einem Kampffisch-Mann (Betta splendens) teilen – klappt auch sehr gut. Die Weibchen sind geschickte Jägerinnen und stellen Jungfischen von Lebendgebärenden brav nach. Aber an größere Jungfische – ab ca. 2,5 cm gehen sie nicht mehr – zumindest bei mir nicht, ich füttere sie fest.
Die Vergesellschaftung mit Guppys ist eher problematisch: Weibchen verstehen die Körpersprache der Hechtlinge nicht und beziehen Schläg' von den Männchen – sie sind zu neugierig, zu mutig? (oder zu blöd?) um abzutauchen und sich in Sicherheit zu bringen. Und Männchen laden mit ihren Fahnenschwänzen geradezu ein, gejagt und gefressen zu werden – zumindest kleine Männchen verschwinden recht schnell. Dafür klappt die Vergesellschaftung mit Purpurkopfbarben, Prachtbarben und Brokatbarben und ähnlichen tadellos.
Einer meiner lineatus-Männer, der heute in Linz lebt, hat einen Mosaikfadenfisch zerlegt. Ich habe voerher noch nie sowas gehört, rate aber deswegen lieber nicht dazu, Mosaikfadenfische als Beifische zu wählen.

Sofern das Wasser sauber ist, stellen die Tiere keine großen Ansprüche – wohl aber an die Temperatur. Zur Aufzucht darf es wärmer sein, zur Hälterung sind 24°C-25°C als Untergrenze anzusehen – wärmer gefällt ihnen sichtlich besser. Temperaturschwankungen zw. Tag und Nacht würden ihnen gefallen. Die übliche Filterströmung macht ihnen nichts aus, sehr starke Strömung mögen sie nicht, sie sind, wenn sie die Wahl haben lieber dort unterwegs, wo wenig Strömung herrscht.
Das Becken muß gut und lückenlos abgedeckt sein, sie springen gut - überraschend für den, der Lebendfutter per Pinzette verabreichen will - wenn sie das Futter schon kennen, springen sie der Pinzette entgegen - sie haben offensichtlich sehr gute Augen und beobachten besonders gut Dinge, die außerhalb des Wassers passieren.

Zum Bericht: der Bericht ist im DKG-Journal, Heft 4, August 2006 erschienen – und ich darf ihn hier mit Erlaubnis der DKG-Redaktion (Werner Eigelshofen) veröffentlichen.
Deshalb am Ende auch der Hinweis: Wen Eierlegende Zahnkarpfen interessieren, der soll sich vertrauensvoll an die Leute von der DKG wenden – ich stell’ gern Kontakte her, wenn Interesse dafür besteht.

© Text, Bilder: Leo Wurzer, mit freundlicher Genehmigung des Autors

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