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Einrichtung und Entwicklung eines 200 Liter Naturaquariums
Von
Ingrid Jung
Viele Aquarianer bestaunen die herrlichen Pflanzenaquarien des Japaners Takashi Amano. Auch
ich zähle mich zu den Bewunderern seiner Techniken und kann mich an seinen Beckenkreationen kaum satt sehen.
Man trifft bei Urteilen über diese Aquarien oft auf die Ansicht, dass
es sich dabei nur um Ausstellungsaquarien handle, und die 'just for the moment' zum Fotografieren schön
'getunt' werden, aber nicht dauerhaft so schön bleiben.
Ich mag mich
dieser Meinung nicht anschliessen und halte es sehr wohl für möglich, ein nach
Amanos Gesichtspunkten gestaltetes Aquarium über einen langen Zeitraum
optisch attraktiv und für seine Beckeninsassen artgemäss und lebenswert zu erhalten!
Auch ein derartiges Schauaquarium, oft wiedersprüchlich als Naturaquarium bezeichnet, kann man mit durchaus vertretbarem Zeit- und
finanziellem Aufwand und herkömmlicher
technischer Ausstattung betreiben, wenn einige Regeln beachtet und
einhält.
Für einen guten Start benötigt man als Grundvoraussetzungen:
-
ionenarmes, weiches Wasser
- von Anfang an eine große Anzahl von Pflanzen
bester Qualität
- von Anfang an Kohlendioxid-Düngung in kontinuierlicher
Zufuhr (25-35 mg/l)
- viel Licht (ab 0,5 - 1 Watt/Liter)
In dieser Beschreibung wird die Einrichtung und der Betrieb eines 200 Liter Panorama-Aquariums
(100 x 50 x 40), das beim Schauaquarium-Wettbewerb 2005 im Zierfischforum
in der Kategorie Aquarien ab 61 cm den ersten Platz erreichte, in einigen Sätzen
vorgestellt
Technik: während der ersten Monate 2 x HQL 80 Watt; diese wurden
später durch eine Abdeckung mit Spiegelreflektoren (4 x 39 Watt T5
Neonröhren, Lichtfarben 3x 830, 1x 960) getauscht, weil Wirkungsgrad und Stromverbrauch bei der Beleuchtungsvariante
mit HQL in keinem vernünftigen Verhältnis
standen! Die Beleuchtungsdauer beträgt 12 Stunden ohne Beleuchtungspause.
Als Filter wurde ein bereits seit 4 Monaten eingefahrener Außenfilter
angeschlossen (Sacem Marathon 1000, Leistung 1000 l/h, der Filter wurde
in der Leistung etwas gedrosselt). Als Filtermaterial dient Filterschaumstoff
in verschiedenen Porengrößen. Die verwendete
CO2 Anlage stammt von Dennerle, als CO2-Zugabegerät wird ein Außenreaktor (Projektaquarium;
Blasenzahl 1 pro Sekunde)
verwendet. Die Dekoration beschränkt sich auf eine größere Mangrovenwurzel und
drei Sandsteine.
Wasserwerte: pH-Wert: 6,7 | °KH: 4-5 |
°dGH: 6 | Fe: 0,1 mg/l | CO2:
~ 26-35 mg/l | NO3: kaum nachweisbar | PO4: 0,1 mg/l
Bodengrund: gewaschener
Bausand
Düngung: Ferrdrakon, Ferrdrakon K
Flüssigdünger. Die Düngung erfolgt wöchentlich und immer in Kombination mit
dem Teilwasserwechsel.
Fisch- und Wirbellosenbesatz:
30 Stück Amano Garnelen (Caridina japonica)
30 Stück Rote Neon (Cheirodon axelrodi)
6 Stück Zwergharnischwelse (Otocinclus sp. affinis)
Als
Futter für die Otocinclus sp. werden ab und an veralgte Wasserpflanzen eingesetzt,
z.B. Echinodorus bolivianus an einer unauffälligen Stelle des Beckens als Fraßpflanze
(Schabepflanze) verwendet.
Erstbepflanzung (Stückzahl):
Vallisneria nana (3 Bunde)
Vallisneria spiralis (3 Bunde)
Monosolenium tenerum (1 Kissen)
Micranthemum umbrosum (5 Töpfe)
Riccia fluitans (3 Portionen)
Rotala wallichii (5 Bunde)
Echinodorus tenellus (3 Töpfe)
Nymphaea lotus (1 Knolle)
Vesicularia dubyiana, 2 Sorten (je 3 Portionen)
Wasserwechsel: wöchentlich
50 % -
diese Mengen wechsle ich übrigens in allen meinen Aquarien. Dabei verwende
ich 3 Teile Osmosewasser und 1 Teil Leitungswasser.
Bild April 2005, der Anfang
Zu Beginn wurden schnellwachsende Pflanzen eingesetzt. Das ist unbedingt
notwendig - nicht nur hier in diesem 'Turbobecken', sondern in
jedem neu eingerichtetem Becken absolut unumgänglich, um den Algen gleich
vorweg genügend Konkurrenz durch schnellwachsende Pflanzen entgegenzusetzen!
Bild nach einem
Monat - Mai 2005
Da in diesem Aquarium bei der Pflanzenwahl nahezu ausschließlich Bodendecker verwendet
wurden, benötigte ich mindestens 0,7 Watt/l Lichtstärke!
Erst ab dieser Wattzahl
war ich in meinem 50 cm hohen Aquarium mit dem Wachstum zufrieden.
Die Ausprobieren, welches Licht hinsichtlich Spektrum und Wattzahl
pro Liter am
besten geeignet wäre, hat bei meinen Überlegungen zur technischen
Seite des Aquariums die meiste Zeit in Anspruch genommen.

Bild nach
zwei Monaten - Juni 2005
Die Schwierigkeit bestand darin, die erforderliche Düngemenge auf das
vorhandene Lichtregime (Quantität) und
den tatsächlichen Bedarf der Pflanzen abzustimmen. In der 10. Woche
nach
dem Start machten sich auch hier ein paar kleine Algen breit, die mich aber weiter
noch nicht beunruhigten. Um den Algen das Leben schwer zu
machen, habe ich in dieser Phase ausschließlich schnellwachsende
Stängelpflanzen gesetzt, in einer Form, dass das Gesamtbild
nicht allzu gestört wurde (Goldener Schnitt).
Bild Micranthemum micranthemoides
Die Pflanze ganz vorn auf dem Bild ist Micranthemum
micranthemoides, dicht dahinter Micranthemum umbrosum,
beide mussten alle 2-3 Tage geschnitten werden, wenn man sie
wie in diesem Fall
als Vordergrundpflanze kultivieren möchte.
Angenehmer Nebeneffekt:
durch das Beschneiden wachsen die Pflanzen sehr dicht und optisch gefällig.
Bild nach drei
Monaten - Juli
Einige Wochen später, als ich die Algen (Pinselalgen) im Griff
hatte, begann ich die Struktur des Pflanzenbestandes zu ändern. Ich fing an, flache stellen so wie man es ja auch aus
einem Naturbecken kennt, mit Bodendeckern zu bepflanzen.
"Pellia", Riccia fluitans, Echinodorus tenellus und Hemianthus
callitrichoides "cuba".
Anmerkung: Die Pinselalgen haben
sich von diesen Eingriffen nicht beeindrucken lassen!
Versuch: Ich
habe einfach die KH bis auf ~1-2 sinken lassen und den CO2
Gehalt auf ca. 35 mg/l erhöht. Erst da wurden die Büschel
weiß! Das heißt, sie waren am Absterben. Danach wurde die Karbonathärte wieder ein wenig
angehoben, weil die verwendeten Pflanzenarten, so meine
Erfahrung, bei einer KH um 1-2 nicht so gut gedeihen.
Pflanzenarten, die
sich in der 8.-10. Woche
im Becken befanden:
Vallisneria nana (hinten) Vallisneria spiralis
(hinten) Monosolenium tenerum (vorne) Micranthemum umbrosum
(Seite) Micranthemum micranthemoides (Seite) Riccia fluitans
(vorne) Cyperus helferi (Seite) Rotala macrandra (Seite)
Eleocharis acicularis (Mitte) Ludwigia inclinata "Cuba"
(Seite) Eusteralis stellata (Seite) Didiplis diandra (hinten)
Rotala wallichii (hinten) Echinodorus tenellus (vorne)
Nymphaea lotus, (Mitte) Javamoos (Ast)
Pflanzplan:

Nach
einigen Wochen trat das Problem auf, dass sich die Riccia fluitans nicht
dauerhaft am Boden halten liess.
Der Ärger ging soweit, dass ich es nach einiger Zeit das Absammeln
losgerissener Thalli von der Wasseroberfläche satt hatte und das Teichlebermoos
wieder aus dem Becken entfernte.
Bild mit Riccia, der Versuch es dauerhaft
am Boden zu befestigen, hier mit Hilfe von E. tenellus
Ich überlegte, wie das denn wohl Herr Amano machen würde? Er
beschreibt doch immer die Verwendung von Riccia fluitans, was ich zu
diesem Zeitpunkt aber
nicht mehr so recht glauben konnte.
Durch einen Zufall las ich dann
einen
Beitrag von einem Internet-User, der angeblich Riccia verwendete,
welches zu Boden sank! So hatte ich irgendwann das
Riccia_non_ fluitans in meinem Becken, aber um welche Art
es sich dann genau wirklich handelte
wusste ich nicht.
Ich vermute, das es sich bei meinem aufschwimmenden
Lebermoos um Riccia
rehanana handelt (MERGUS Aquarium-Atlas Band 3). Aber das
ist auch nur eine Vermutung, dass es sich um diese Art handeln könnte. Was an dem Riccia_non_ fluitans ganz eigenartig
auffiel - es lag am BODEN und ich benötigte dafür kein Netz und musste
auch nicht angebunden werden!
So sah es am ersten Tag nach dem Erhalt aus - es lag wie
ein Stein am Boden! Oh Wunder, es sank!
Bild ...einige Wochen später!
Nun, bis zum heutigen Tag (November 2005) gab es überhaupt keine Probleme mit diesem
Aquarium. Der Nitratgehalt ist oft unter der Nachweisgrenze, und
der Phosphatgehalt fast immer um
0,1 mg/l. Ich kann nur jedem, der schön bepflanzte Aquarien liebt, raten,
sich selber einmal an eine Neueinrichtung nach ähnlichen Gesichtspunkten
zu wagen. Ich habe mir in der Zwischenzeit noch ein Becken
eingerichtet, das 54 Liter fasst, und auch hier stellt sich der
laufende Betrieb problemlos dar.
Soweit mein Bericht über die einzelnen
Phasen und Entwicklungsstufen. Jede einzelne Phase war und ist
ein Erlebnis für sich!
Hier noch ein paar Bilder der
einzelnen
Entwicklungsstufen bis zu diesem Tag ...

Bild nach vier
Monaten - August

Bild nach 5
Monaten - September

Bild nach 6
Monaten - Oktober
Im Oktober hatte ich noch mal einige Pflanzen umgestellt bzw.
ausgetauscht, die einfach zu groß für das Becken geworden
sind.
Bild nach 7
Monaten - November
und schließlich Heute...Es ist immer noch mein ganzer
Stolz


Liebe Grüße,
Ingrid Jung
Hier noch ein paar empfehlenswerte Links die es sich lohnt zu lesen.
Naturaquarium1
| Naturaquarium2
| Naturaquarium3
©
Text, Bilder: Ingrid Jung, mit freundlicher Genehmigung der Autorin
Diesen Beitrag im Forum diskutieren: http://www.zierfischforum.at