Zierfischforum.at
Wiki | Ratgeber | IRC-Chat
[ Registrieren ] [ Suche Chat Schnellübersicht] [ Zum Forum ] [ Zu diesem Beitrag ] [ LeseEcke Übersicht ]


Purpurprachtbarsch-MännchenPurpurprachtbarsch Pelvicachromis pulcher
(Boulenger, 1901)


Von Viktor Kopp


Herkunft:
Der Purpurprachtbuntbarsch stammt aus der Region des Unterlaufes des Nigers in Westafrika. Etwa 120 km westlich des Niger-Deltas liegt sein Hauptverbreitungsgebiet. Dort lebt er in zahlreichen Tümpeln und kleineren sowie größeren Wasserläufen. Dabei hat sich die Art in sehr viele verschiedene Farbformen gespalten. Das Wasser in dieser Region ist sehr weich (GH und KH unter 1, Leitwert um 5 µS) und stark sauer (pH um 5). Die Temperaturen schwanken zwischen 25 und 28 °C. Allerdings scheint dieser Fisch, was die Wasserverhältnisse betrifft, sehr anpassungsfähig zu sein, da er auch in Brackwasserbereichen des Niger-Deltas anzutreffen ist.

Größe:
Männchen: bis zu 10 cm
Weibchen: bis zu 6 cm

Geschlechtsunterschiede:
Männchen: Erheblich größer als das Weibchen, langgestreckter Körperbau, die unpaarigen Flossen (Rücken- und Afterflosse) sind länger ausgezogen und die Schwanzflosse zeigt am oberen Rand immer einen Farbsaum, der von orange über rot bis braun variieren kann. Die Schwanzflosse ist im Bereich dieses Saums abgeflacht und leicht spitz zulaufend.
Purpurprachtbarsch
Weibchen: Viel kompakter gebaut, größerer, intensiv rot-violett gefärbter Bauch, Schwanzflosse rund und farblos mit mehr oder weniger vielen goldgelben Sprenkeln. Sowohl in der Schwanz- als auch in der Rückenflosse können bei beiden Geschlechtern dunkle, hell umrandete Punkte auftreten.
Purpurprachtbarsch Weibchen
Wasserwerte:
pH: max 7,5, besser um oder knapp unter 7
GH: max 15, besser nicht über 10 °dGH
KH: max 8, besser 5 °dKH oder weniger
Temp.: 24 bis 27 °C
Beckengröße: ab 80 cm allein gehalten, mind. 100 cm mit Beifischen

Futter:
Allesfresser, der die Nahrung bevorzugt vom Boden aufnimmt. Dabei nehmen die Fische mit dem Maul etwas Bodengrund auf, kauen ihn durch und spucken die nicht fressbaren Teile wieder aus. Neben den üblichen Frost- und Lebendfuttersorten werden auch gerne zerdrückte Erbsen und Schnecken (sobald das Tier die Technik des Aussaugens erlernt hat) gefressen. Es wird auch Trockenfutter angenommen.

Allgemeines:
Der Purpurprachtbuntbarsch, auch Königscichlide genannt, wurde 1913 erstmals für die Aquaristik in Europa eingeführt. Bekannt war diese Tierart bereits länger, sie wurde schon 1901 von Boulenger beschrieben. Im Laufe der Zeit wurde sie mit vielen lateinischen Bezeichnungen, zumeist Fantasienamen, belegt. Eine der bekanntesten war Pelmatochromis kribensis, unter dem sie teilweise noch immer bekannt ist (der englische Trivialname des Fisches lautet bezeichnenderweise Cribensis). Erst mit der Revision der Gattung durch Thys 1968 wurde der Namenswirrwarr um diese Fischart beendet. Pelvicachromis pulcher ist sehr eng mit Pelvicachromis taeniatus, dem Smaragdbuntbarsch, verwandt und es kann durchaus zu Kreuzungen kommen, wenn sie gemeinsam in einem Aquarium gehalten werden.

Haltung:
Den natürlichen Lebensraum teilen sich diese Fische mit verschiedenen anderen Cichliden (Hemichromis, Chromidotilapia, Tilapia) und Killifischen (Aphyosemion bivittatum). Dabei hält sich P. pulcher meist in bzw. am Rande von Pflanzenzonen auf. Diese bestehen aus Vallisnerien, Tigerlotus und anderen Nymphaea-Arten. Dort ist er ein sehr standorttreuer Fisch, der kaum seinen Aufenthaltsplatz verlässt und sich höchstens 1 m davon entfernt.
In solchen Pflanzenzonen, die ca. 1 m² Fläche haben, kann man bis zu 20 halbwüchsige und ausgewachsene Tiere dieser Art finden, wobei die Weibchen durch beständiges Anbalzen aller Männchen bei diesen eine Hemmung ihrer Aggressivität erreichen.
Auch wenn die Fische in freier Natur scheinbar sehr eng zusammenleben, sollte von einer Gruppenhaltung im Aquarium Abstand genommen werden. Wegen der fehlenden Fluchtmöglichkeiten werden die schwächeren Tiere unweigerlich unterdrückt, was durchaus zu deren Tode führen kann. Es empfiehlt sich eine paarweise Haltung dieses Cichliden, wobei die Reviergröße einzig vom Durchsetzungsvermögen des Männchens abhängig ist. Aggressive Männchen beherrschen während der Brut- und Aufzuchtphase ohne Probleme ein Aquarium mit 150 cm Breite, anderen Tieren wieder genügen Revierbereiche von 30-40 cm um die Bruthöhle herum. Außerhalb der Brutzeit ignorieren sie andere Fische weitgehend. Unter den Pelvicachromis-Arten ist der Purpurprachtbuntbarsch die aggressivste Art.
Die Tiere halten sich hauptsächlich im unteren Drittel des Aquariums auf. Wegen der Art der Nahrungsaufnahme sollte der Bodengrund nicht zu grobkörnig sein, abgerundeter Kies mit 2 mm Korngröße ist die Obergrenze. Die Tiere brauchen mehrere Höhlen, die etwa zur Hälfte im Bodengrund vergraben sind und kleine Eingänge haben. Ansonsten kann das Aquarium problemlos nach Belieben bepflanzt und eingerichtet werden. Sie sind mit ungefähr 6 Monaten ausgewachsen und haben im Aquarium eine Lebenserwartung von etwa 6-8 Jahren, alleine gehaltene Tiere können bis 12 Jahre alt werden. Sie sollten nicht als einzige Art im Aquarium gehalten werden, da sie dann sehr leicht scheu werden und sich zwischen den Pflanzen verstecken.
Eine im Freiwasser schwimmende kleine Fischart leistet da gute Dienste. Auch sind diese Beifische bei der Brut wichtig, da so das Männchen das Revier tatsächlich verteidigen muss, andernfalls könnten sich die angestauten Aggressionen gegen das Weibchen und die Jungfische richten. Ebenso ist eine Vergesellschaftung mit Panzerwelsen möglich. Die gemeinsame Haltung mit L-Welsen kann problematisch werden, wenn zu wenig Höhlen vorhanden sind bzw. die Welse keine Verstecke außerhalb des Reviers des Männchens finden.

Zucht:
Es handelt sich um einen der am leichtesten zu züchtenden Cichliden. Die Zucht gelingt auch in mäßig besetzten Gesellschaftsbecken ohne größere Probleme. Pelvicachromis pulcher ist ein Höhlenbrüter. Nach der sehr interessanten Balz, bei der das Weibchen tief rot-violett gefärbt S-förmig gekrümmt vor dem Männchen tänzelt, wird ein Gelege aus bis zu 200 Eiern am Dach einer selbst (aus)gegrabenen Höhle abgelegt. Der Bau der Höhle erfolgt gemeinsam, wenngleich das Weibchen die Hauptarbeit leistet und gehört mit zum Balzritual. Die Eier werden vom Weibchen sorgsam bewacht, während das Männchen das Revier um die Höhle herum intensiv verteidigt. Nach ungefähr einer Woche sind die Jungen soweit, dass sie die Höhle verlassen können. Unter Aufsicht eines Elternteiles, die Brutpflege erfolgt in Form der Vater-Mutter-Familie, wird der Jungfischschwarm durch das Aquarium zu verschiedenen Futterstellen geführt.
Die Jungfische nehmen sofort Nahrung in der Größe von Artemia-Nauplien an. Sie sind dabei nicht wählerisch, es wird jede Sorte Futter, auch Trockenfutter, angenommen. Die Jungfische werden ungefähr 3-4 Wochen von den Eltern behütet, dann verlieren sie die Bindung und werden selbstständig. Zu diesem Zeitpunkt hat das Weibchen normalerweise wieder Laich angesetzt und der Brutvorgang beginnt erneut. Wenn der Brutversuch nicht erfolgreich war, weil z.b. vom Pfleger das Gelege oder die Jungfische entfernt wurden, kann es zu heftigen Streitereien zwischen den Partnern kommen, die im Aquarium durchaus mit dem Tod eines Tieres enden können. Die Geschlechterverteilung bei der Nachzucht ist oft sehr einseitig. Dies dürfte mit einem oder mehreren Wasserparametern (Temperatur, Härte, pH-Wert) zusammenhängen, genauere Forschungsarbeiten darüber sind mir aber nicht bekannt.

Besonderheiten:
Pelvicachromis pulcherWie schon erwähnt, gibt es von diesem Fisch viele Farbformen, in der Aquaristik haben sich mehrere davon eingebürgert. Zum Einen gibt es Fische mit stark ausgeprägtem Längsband am Körper (Form B) und Fische mit keinem oder nur sehr schwach ausgeprägtem Längsband (Form A). Weiters unterscheiden sich die Farbformen durch die Farbe der Kehle, die rot, gelb, grün oder blau sein kann. Bis jetzt habe ich aber nur Fische mit roter oder gelber Kehle in Aquarien gesehen.
Die Farbformen dürften sich im Laufe der Zeit in der Aquarienhaltung vermischt haben, ich habe von einem Paar mit gelben Kehlen sowohl Nachkommen mit roter und mit gelber Kehle erhalten. In letzter Zeit werden auch wieder vermehrt Tiere direkt aus den Herkunftsländern importiert, deren Herkunft genau bekannt ist und die im Handel mit verschiedenen Zusatzbezeichnungen anzutreffen sind.
Diese Farbformen, ev. sogar Unterarten, sollten immer getrennt gehalten und gezüchtet werden.


© Text, Bilder: Viktor Kopp

Diesen Beitrag im Forum diskutieren: http://www.zierfischforum.at
Zierfisch-Forum [ Impressum ] Zierfisch-Forum