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Das ideale Extrafutter: Regenwürmer

Von Rudolf Suttner


Jeder Angler kennt Regenwürmer als Köder für einheimische Fischarten. Bis zu 50 Pfennig muß ein Angler beim Kauf eines Regenwurms berappen. Regenwürmer sind jedoch auch besondere Leckerbissen für viele unserer Aquarienfische. Einige Cichliden, auch der Diskus, stürzen sich gern auf den Regenwurm; Barben und Salmler fressen ebenfalls dieses Futtertier. Barbus johorensis, die Linienbarbe, traut sich ausgewachsen an größere Exemplare. Sogar die empfindliche Rosbora kalochroma, die mit Vorliebe von der Oberfläche Anflugnahrung erhascht, verschmäht keinen Regenwurm, wenn er nicht zu groß ist.

Kokons von Regenwürmern
Kokons von Regenwürmern, in denen sich meistens jeweils ein 0,2 mm großes Ei befindet

Daß Regenwürmer besonders als Futter geeignet sind, zeigt folgende Analyse:
Eiweiß 60-70% Fett 7-10% Kohlenhydrate 8-20% Mineralstoffe 2-3%

Weltweit gibt es Versuche, Regenwürmer als Eiweißquelle einzusetzen. Auf der Erde soll es rund 3000 verschiedene Regenwurmarten geben. Die kleinsten messen etwa zwei Zentimeter, die größten Arten drei Meter Länge! Kothaufen der großen Regenwurmarten sollen in den Tropen über 30 Zentimeter hoch sein.

Anatomie des Regenwurms
Regenwürmer haben ein Vorder- und ein Hinterteil. Im Vorderteil befinden sich der Mund, das Gehirn, die Lateralherzen und die Geschlechtsorgane. Der Darm, ein Bauch- und Rückenblutgefäß sowie das Nervensystem durchziehen den gesamten Körper.
Auffallend sind die Segmente des Regenwurms. Sie sind durch Scheidewände voneinander getrennt. In jedem Segment befinden sich ein Paar Nervenknoten und zwei "Nieren" (Metanephridien). Vier Borstenpaare an jedem Segment helfen dem Regenwurm, sich fortzubewegen und in seinem Loch zu verankern. Tauwürmer, die in der Nacht aus ihren Löchern kriechen, um zu fressen, ziehen sich bei Taschenlampenlicht oder Schallwellen, die durch Tritte verursacht werden, in ihre Löcher zurück. Sie klemmen sich mit den Borsten so fest ein, daß sie kaum ohne Verletzung herauszuziehen sind.

Geschlechtsorgane
Geschlechtsreife Tiere bilden zwischen dem 31. oder 32. und dem 37. Segment eine Verdickung aus, Clitellum oder Gürtel genannt. Regenwürmer sind Zwitter. Im zehnten und elften Segment befinden sich meist die Hoden (männliche Keimdrüsen). Im 13. Segment liegt der Eierstock, die weibliche Keimdrüse. Der Samen wird bis zur Paarung in Samenblasen aufbewahrt.

Junger RegenwurmPaarung
Viele Regenwürmer paaren sich in der Nacht. Nachdem sich ein Paar gefunden hat, legen sich die Partner in gegenseitiger Ausrichtung aneinander, so daß das Clitellum des einen dem neunten und zehnten Segment des anderen gegenüberliegt. Klebrige Proteine halten die Würmer aneinander. Jeder Partner stößt aus den männlichen Geschlechtsöffnungen Samen aus, der in einer Samenrinne zu den Samentaschen des anderen fließt. Die Samenübertragung kann man in einem Terrarium nachts bei Rotlicht beobachten.




Dem jungen Regenwurm, der aus einem Kokon geschlüpft ist,
fehlt das Clitellum.






Befruchtung
Interessant ist die Befruchtung der Eier. Um das Clitellum bildet sich ein Schleimring, der erhärtet und an den Enden formbar bleibt. In diesen Schleimring geben die Clitellardrüsen eine Nährflüssigkeit. Das Wurmei selbst ist nur 0,2 Millimeter groß und wird, wenn sich das Tier kopfwärts aus dem Schleimring zieht, aus dem 14. Segment ausgestoßen.
Der Wurrn gibt das Ei beim Passieren des Schleimrings in diesen hinein. Beim weiteren Abstreifen bewegt sich der Ring über das neunte bis zum elften Segment. Hier entleert der Regenwurm die Samen aus der Samentasche in den Schleimring. Das Ei wird vom fremden Samen befruchtet. Nach dem Abstreifen schließen sich die elastischen Enden des Kokons.

Eine außergewöhnliche Reihenfolge ist zu beobachten:
1. Aufnahme des fremden Samens;
2. Bilden eines Schleimgürtels (Schutzhülle bzw. Tasche);
3. Nährflüssigkeit für den Embryo;
4. Einbetten des noch unbefruchteten Eies in die Nährflüssigkeit;
5. Befruchten des Eies mit fremdem Samen;
6. Schutz des Eies im festen Kokon (geschlossener Schleimgürtel). Die weitere Entwicklung der Regenwurmeier findet in dem Kokon statt.

Die Zucht
Die Zucht der Regenwürmer ist einfach. Eine große Styroporkiste wird zu zwei Dritteln mit Gartenerde gefüllt. Geimpft wird dieser Kulturansatz mit Enchyträen, Springschwänzen und Kompostwürmern (Regenwurmart*). Die Tiere sind in jedem Kompost zu finden. Die Enchyträen und Springschwänze bereiten für die Kompostwürmer die Nahrung auf.
In der Mitte des Behälters dient eine Erdmulde als Futterplatz für die Bodentiere, Gefressen werden Obst, gekochte Kartoffeln, Reisbrei, Nudeln und weitere Küchenabfälle. Am Anfang reicht ein Eßlöffel Futter; eingefahrene Zuchten brauchen später mehr.
Eine Glasscheibe verhindert das Austrocknen der Erde, das für die Regenwürmer tödlich wäre. Regenwürmer atmen nicht über eine Lunge, sondern über die Haut. Einige Regenwurmarten der Tropen können längere Zeit oder gar dauerhaft unter Wasser leben.

Nach starken Regenfällen fliehen Regenwürmer aus ihren Löchern. Das Regenwasser enthält zu wenig Sauerstoff - die Würmer würden ersticken, wenn sie die wassergefüllten Löcher nicht verließen. Regenwürmer sind lichtempfindlich. Ein großes Brett auf der Glasscheibe sorgt für die notwendige Abdünkelung.

Kompostregenwurm

Tauregenwurm

3 Kompostregenwurm; das Vorderteil ist leicht am Gürtel, dem
Clitellum, zu erkennen.

4 Der Tauregenwurm mit seinem abgeflachten Körperende.


Entwicklung
Nach einer gewissen Zeit können laufend junge Regenwürmer aus der Zucht verfüttert werden. Beim Schlüpfen messen sie rund 20 Millimeter Länge. Ein Kompostregenwurm braucht etwa drei Monate bis zur Geschlechtsreife.

Kopf des Kompostregenwurms Linienbarbe Barbus johorensis
5 Kopf des Kompostregenwurms; deutlich sind die Segmente zu sehen. 6 Linienbarben "wittern" ihre Nahrung mit den Barteln.
Fotos: R. Suttner

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*) Im Gegensatz zum Regenwurm (Lumbricus terrestris) handelt es sich hier um Eisenia foetida.

Literatur
Aichele, D. (1987): Goldener Kosmos-Tier- und Pflanzenführer. 2. Auflage. Stuttgart.
Buch, W. (1986): Der Regenwurm. Stuttgart.
Graff, P. (1983): Unsere Regenwürmer, Hannover.
Mansche, K. (1988): Der Regenwurm: Bedeutung - Vermehrung - Einsatzmöglichkeiten. Graz, Stuttgart.
Meinhardt, U. (1986): Alles über Regenwürmer. Stuttgart.


© Text, Bilder: Beitrag aus der DATZ 5/96, S. 316-317, mit freundlicher Genehmigung des Autors, der Datz und des Ulmer-Verlages

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