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Schimmelpilze in Wohnräumen durch Aquarien und Pflanzen?

Von Helmut Dohrmann


Schimmelpilze in Wohnungen sind eine Geißel unserer Zeit. Es ist nachgewiesen, daß Schimmelpilze (Aspergillus niger) schwere  Allergien auslösen können (nicht müssen). Natürlich  sind Schimmelpilze  auch optisch sehr störend; die Wände werden naß, und damit sinkt die Wärmedämmung rapide ab. Als Ursachen kommen drei Möglichkeiten in Frage, die sich aber addieren können:

1. Handwerkliche Mängel am Baukörper, die zu Undichtigkeiten führen.
2. Wärmebrücken (früher falsch "Kältebrücken" genannt), an denen Rauminnenluft abkühlt und nach dem Naturgesetz der relativen Luftfeuchte auf der Wandinnenseite Kondenswasser bildet.
3. Ein mangelhaftes Heizungs- und Lüftungsverhalten der Bewohner.

Sehr häufig werden von vielen Sachverständigen und Wohnungsgesellschaften als weitere Ursachen in der Wohnung aufgestellte Aquarien und viele Zimmerpflanzen angeführt. Natur im Heim als Sündenbock! Sind wir Aquarianer grundsätzlich für in der Wohnung auftretenden Schimmelpilz verantwortlich?

Unbestritten ist, daß durch Aquarien - besonders wenn sie nicht abgedeckt sind -Wasserdampf entsteht. Unbestritten ist auch, daß Pflanzen - besonders Gewächse des Regenwaldes - große Mengen von Wasserdampf produzieren. Diese Belastungen begünstigen zweifellos die Bildung von Schimmelpilz. Aquarianer stehen also häufig vor dem Dilemma, daß ihnen die Schuld an einem Schimmelpilzbefall zugeschoben wird, und oft ist das auch - zumindest zu einem Teil - richtig.

Zunächst sollte man aber darauf drängen, feststellen zu lassen, ob die Bausubstanz Fehler aufweist. Ist das nämlich der Fall, können auch das Abschaffen der Aquarien und Pflanzen und verstärktes Heizen und Lüften keine Abhilfe schaffen, höchstens eine Minderung.

Ein Baukörper ohne Baumängel ist aber nicht immer der, der den neuesten Bauvorschriften und Wärmeschutzverordnungen entspricht: Auch ältere Bauten, die den heutigen Vorschriften keineswegs entsprechen, gelten - gemessen an den Anforderungen ihrer Bauzeit - als mangelfrei. Es ist eine Binsenweisheit, daß auch ältere Häuser ein gesundes Wohnen ohne Schimmelpilz ermöglichen, wenn das Bewohnerverhalten darauf abgestimmt ist. Die Ursache plötzlicher Verschlechterungen ist sehr häufig eine (zunächst gutgemeinte) Verbesserung der Wärmedämmung von Einzelbauteilen.

Man muß sich vor Augen führen, daß alte Häuser - besonders die der Nachkriegsepoche - sehr häufig nur dünne Wände und Fenster mit Einfachverglasung hatten, so daß die Wand trotz schlechter Wärmedämmung sehr viel wärmer war als die Einfachscheibe. Die Scheibe war daher der kälteste Punkt, und an dieser Stelle bildeten sich Kondenswasser und im Winter wunderschöne Eisblumen. Unten im Rahmen gab es eine Wasserrinne mit einer Tülle nach außen, durch die das Kondenswasser abfloß - einfach und problemlos, mit dem hervorragenden Zusatzeffekt, daß die Raumluft ständig entfeuchtet wurde. Die Zugerscheinungen der Falze und die Ofenheizung wirkten sich ebenfalls positiv auf die Raumluft aus.

Ein Haus erlebt jedoch Wandlungen, und so sind fast alle Häuser inzwischen mit Zentralheizungen modernisiert. Abfließende Wärme war anfangs kein Thema, weil Heizöl billiger als Mineralwasser war. Heizenergie ist inzwischen teuer geworden, und aus finanziellen und ökologischen Aspekten muß man damit sehr sparsam umgehen. Die Bundesregierung hat daher Wärmeschutzverordnungen erlassen, die nicht nur für Neubauten gelten, sondern auch dann, wenn Sie an einem alten Haus etwas verändern.
Neue, ganz dichte Fenster mit Isolierglas sind prima - doch jetzt sind die Wände die kältesten Bauteile, und nun bildet sich an den Wänden Kondenswasser - mit Schimmelpilz. Aus jahrzehntelang knochentrockenen Wohnungen werden urplötzlich wahre Tropfsteinhöhlen. Allein mit dem Einbau neuer Fenster ist es nämlich nicht getan. Es gibt zwei Möglichkeiten, sich der geänderten Situation anzupassen:

a) man macht alle Umfassungsbauteile wärmedämmend,
b) man behält den Zustand bei, lernt aber ein völlig neues Heizungs- und Lüftungsverhalten. Nie jedoch darf man alte Gewohnheiten beibehalten, denn das gesamte Gebäudeklima hat sich durch den Fenstereinbau verändert. Da, wo vorher undichte Fenster automatisch für Luftaustausch sorgten, ist nun eine gezielte Lüftung erforderlich, besonders wenn Aquarien vorhanden sind.

Wenn in ein Bauwerk nicht durch Undichtigkeiten, fehlende Dichtungen usw. Wasser zieht, kann jeder den Bau durch sein Verhalten schimmelpilzfrei und trocken halten. Das gilt auch für uns Aquarianer. Umgekehrt kann durch falsches Wohnverhalten aus der besten Wohnung innerhalb Monatsfrist eine Tropfsteinhöhle werden, wenn sich jemand als Energiesparweltmeister wähnt und es tunlichst vermeidet, auch die kleinste Menge Frischluft hereinzulassen, "weil dabei ja Wärmeenergie nach draußen verschwendet wird". Er vergißt ganz einfach, daß eine nasse Wohnung ein Vielfaches an Energie verschwendet und Wärmeschutz nur bei trockenen Bauteilen wirken kann.

Wie verhalte ich mich nun richtig? Während der Heizperiode niemals ein Heizkörperventil ganz zudrehen! An jedem Heizkörper sind Thermostatventile gesetzlich vorgeschrieben, mit denen man die Raumtemperatur begrenzen kann. Also nutzen wir diese Regelmöglichkeit tunlichst. Wer im Schlafraum seine 15 °C haben will, soll die Temperatur gefälligst in dieser Weise einstellen. Ganz falsch ist es, vor dem Zubettgehen Warmluft aus dem Wohnzimmer ins kalte Schlafzimmer zu leiten. Die mit etwa 60 Prozent Luftfeuchtigkeit beladene Wohnraumluft schlägt sich auf einer nur 10 °C kalten Schlafzimmeraußenwand als Kondenswasser nieder. Ein Idealklima für Schimmelpilz!

Wassergehalt der Luft, wenn mit dem Hygrometer die relative Luftfeuchtigkeit ermittelt wurdeBetreiben Sie regelmäßig Stoßlüftung. Stoßlüftung bedeutet: alle Fenster zur gleichen Zeit weit auf, auch wenn der Wind die Zeitung vom Tisch pustet. Im allgemeinen genügen zweimal fünf Minuten, je einmal vor und nach der Arbeit, wenn es regelmäßig gemacht wird. Dann kühlt keine Wohnung aus, und sie heizt sich schneller wieder auf, als Sie denken. Früher wußte man, daß man frische Luft schneller aufheizen kann als verbrauchte. Naturwissenschaftler erklären das heute ganz einfach damit, daß Gasmoleküle um so beweglicher sind, je leichter sie sind, das heißt für Raumluft, je weniger gasförmige (schwere) Wassermoleküle sie enthält, also: je trockener die Luft ist.

Jeder Mensch produziert in einer einzigen Nacht rund einen Liter (unsichtbaren) Wasserdampf, ein Ehepaar somit zwei Liter. Machen Sie doch einmal den Versuch und verdampfen zwei Liter Wasser in der Küche! Früher verschwand der Wasserdampf unbemerkt durch die Fensterritzen, und die sind heute dicht. Es gibt auch keine "atmenden" Wände, selbst wenn Ihnen ein gutgläubiger Maurermeister das weismachen will.

Hier ist der Wunsch der Vater des Gedankens. Es gibt ganz sicher Bauteile, die aufgrund ihrer feinporigen Beschaffenheit eine gewisse Menge Feuchte speichern können, doch ist das sehr wenig. Wird die Menge größer, entsteht Schimmelpilz. Wände können eben nicht atmen; das muß der Mensch, wenn der Bau keine Ritzen mehr hat, mit dem Fensterflügel besorgen. Nur so werden die unsichtbaren Moleküle des Wasserdampfes transportiert. Es gibt zwar auch eine Diffusion, aber fragen Sie einmal einen Physiker, wieviel Zeit und wieviel Fläche er für die Diffusion eines Liters Wasser benötigt! Dieser Feuchtetransport ist für das Raumklima völlig bedeutungslos (um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: nur hier!).

Das zweimalige Lüften genügt nach meinen Erfahrungen immer, wenn Aquarien abgedeckt sind. Nicht abgedeckte Becken verdunsten bei 500 Liter Wasserinhalt täglich rund drei bis vier Liter Wasser - praktisch einen halben Eimer voll! Auch das kann man durch Lüften herausbekommen, nur dann reichen keine zwei Mal. Vielleicht sollte einmal darüber nachgedacht werden, ob bei allem Reiz solche Becken aus Energiespargründen überhaupt noch verantwortet werden können (abgesehen von dem mehr als doppelten Strombedarf für das Aquarium). Ich habe mir die Frage beantwortet, und so sind alle meine sieben Becken im Hause (insgesamt 5000 Liter Warmwasser) abgedeckt.

An dem Diagramm läßt sich der Wassergehalt der Luft ablesen, wenn Sie mit dem Hygrometer die relative Luftfeuchtigkeit ermittelt haben.

Lüften Sie niemals in Kippstellung des Fensters! Oft komme ich als Sachverständiger in total verschimmelte Wohnungen, wo die Bewohner glaubhaft versichern, den Drehkippflügel Tag und Nacht in Kippstellung zu halten. Doch mit der Kippstellung erzielt man einen lüftungstechnischen Kurzschluß. Luft wird am Heizkörper in der Fensternische (oder an der Fußbodenheizung) erwärmt und steigt am Fenster hoch. Dort ist ein offener Fensterspalt, aus dem die Warmluft großenteils verschwindet, ohne die Raumluft auch nur um ein einziges Grad erwärmt zu haben. Um diesen Widersinn komplett zu machen, fällt von oben Kaltluft in den Raum, die den Thermostat absenkt, und so muß die Heizung ständig laufen. Das ist Energieverschwendung im Exzeß! Das Drehkippfenster ist unter Gesichtspunkten der Heizungs- und Lüftungstechnik eine regelrechte Mißgeburt!

Kaltes Wetter ist am besten zur Raumtrocknung geeignet. Nie lüften, wenn es draußen feuchtwarm - wärmer als im Gebäude - ist! Nehmen wir ein Extrem: Draußen sind 0 °C, Nebel liegt in der Luft, und von den Bäumen fallen schwer die Tautropfen. Innen haben wir 20 °C, 60 Prozent relative Luftfeuchte, also ein ideales Innenklima. Jeder denkt doch nun, es sei falsch, die nasse und feuchte Kaltluft in das Zimmer zu lassen. Das Gegenteil ist richtig: In der warmen Innenluft ist trotz geringer relativer Luftfeuchte viel mehr Wasserdampf enthalten als in der kalten Außenluft mit 100 Prozent relativer Luftfeuchte. Sie trocknen also sogar bei dieser extremen Luft die Wohnung aus. Und bei klarem Frost von -10 °C verschwindet der (unsichtbare, da molekulare) Wasserdampf gleich literweise. Kalte Wintertage sind also zur Raumentfeuchtung ideal - je kälter, um so besser. Wenn Sie dagegen einen schwülen Warmlufteinfall im Sommer haben und Ihre Räume sind kälter als die Außenluft, transportieren Sie Wasser ins Gebäude hinein. "Schwitzende" Kellerwände gibt es nur im Sommer, nie im Winter. Es schwitzt nur kein Wasser aus, wie fälschlich immer wieder angenommen wird, sondern es kondensiert aus der Berührung zwischen kälteren Kellerwänden und wärmerer und feuchterer Außenluft.

Offene Aquarien und Zimmerpflanzen verdunsten viel Wasser!

Das 2500 Liter große Aquarium des Verfassers inmitten üppiger Pflanzen. Foto: H. Dohrmann

Ich zeige hier meinen Raum mit einem Aquarium von 2500 Liter (!) Wasserinhalt. Der ganze Raum ist voller tropischer Pflanzen. Bei 20 Quadratmeter Grundfläche hat der Raum 36 Quadratmeter Außenflächen, davon 12 Quadratmeter Fensterflächen. Die Wände bestehen aus nur 30 Zentimeter dicken Ziegeln, die Fenster sind isolierverglast. Das Dach ist ein Flachdach mit nur zehn Zentimeter Wärmedämmung. Der Fußboden besteht aus Kalkstein und ist nach unten nicht unterkellert und ungedämmt. Aus denkmalpflegerischen Gründen war hier keine Erhöhung der Wärmedämmung möglich.

Der Raum wird mit durchschnittlich 20 °C beheizt, das Becken mit etwa 25 °C. Verhältnisse also, bei denen ein großer Teil der Sachkundigen annehmen würde: "Da muß ja Schimmelpilz auftauchen! 30 Zentimeter dünne Vollziegelwände, Wärmedämmung nur für den Normalfall gerade noch eben ausreichend." Das trifft aber nicht zu: Es gibt bei mir keinen Schimmelpilz, und die relative Luftfeuchtigkeit beträgt zwischen 50 und 70 Prozent (das sollte der Grenzwert sein). Somit herrschen ideale Raumklimate.

Wer stellt sich schon 2500 Liter Wasser in einen Raum von 20 Quadratmetern? Daher ist mein Beispiel ein Extremfall. Diese Extrembelastung beweist jedoch, daß man durch gezielte Maßnahmen eine weit geringere Belastung - wie etwa durch ein 500-Liter-Aquarium - spielend leicht in einem bautechnisch intakten Raum bewältigen kann. Das hervorragende Ergebnis meiner Messungen wird erreicht mit ständiger, gleichbleibender Beheizung und zweimal fünf Minuten Stoßlüftung arn Tag.

Schlußbemerkung
Wir Aquarianer brauchen aus Angst vor Schimmelpilz keineswegs auf unser Hobby zu verzichten. Es muß uns nur ständig bewußt sein, daß wir ein Raumklima mehr belasten als andere Leute. Es muß uns bewußt sein, daß wir ein Raumklima besonders sorgfältig überwachen müssen, und wir müssen unser Verhalten darauf einstellen. Wir müssen wissen, daß es Energie nicht zum Nulltarif gibt. Nur mit trockenen Wohnungen läßt sich Energie sparen, und um Wohnungen trocken zu hatten, muß erst einmal Energie aufgewendet werden.

© Beitrag aus der Datz 5/99, S. 106-107, mit freundlicher Genehmigung des Autors, der Datz und des Ulmer-Verlages

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