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Überlegungen zur Vergesellschaftung von Zierfischen im Gesellschaftsaquarium

Von Viktor Kopp


Welche und wieviele Fische passen in ein Aquarium? Eine Frage, der sich jeder Aquarianer mehr oder weniger oft stellen muss. Gerade weniger versierte Hobbyisten haben mit der Beantwortung Schwierigkeiten und überblicken kaum die dabei auftauchenden Fragen. Es gibt zwar einige allgemein bekannte Richtlinien, die auch durchaus nicht schlecht sind, aber nicht alleine zur Beantwortung der Frage herangezogen werden dürfen.

Es gibt eine Vielzahl an Punkten, die berücksichtigt werden müssen. Ein paar davon, die meiner Meinung nach Wichtigsten, möchte ich hier herausgreifen.
Wenn man diese Punkte systematisch abarbeitet, ergeben sich am Ende mehr oder weniger viele Arten, aus denen man dann die bevorzugten Fische aussuchen kann. Nebenbei erfährt man auf diese Weise eine Menge über seine Pfleglinge, was sich auf die Haltung sicher positiv auswirkt.

Die Wasserwerte
Man kann nur Fische vergesellschaften, die ähnliche Wasserwerte benötigen, also pH, GH, KH und Temperatur. Wobei es Arten gibt, die einen sehr breiten Bereich haben, in dem sie gut leben können (viele Lebendgebärende und Cichliden um nur 2 Beispiele zu nennen) und andere Arten, die nur in einem eng begrenzten Bereich ohne Langzeitschäden überleben können (verschiedene Salmlerarten, einige Cichliden aus Südamerika, einige Killifische als Beispiele).

Der Stoffwechsel der Fische
Jeder Fisch produziert Schadstoffe, die im Aquarium von Bakterien und Pflanzen mehr oder weniger gut unschädlich gemacht werden. Wie viel Schadstoffe er produziert, hängt vom Volumen bzw. dem Gewicht des Fisches ab. Ersatzweise, weil dieser Wert viel leichter zu bestimmen ist, wird die Größe des Fisches herangezogen. Dabei bleibt aber die Form des Fisches (schlank, hochrückig, usw.) außer Betracht. Man geht von der erreichbaren Endgröße des Fisches aus und ordnet der Größe eine bestimmte Menge an Wasser zu. Diese Werte können nicht berechnet werden, sondern haben sich aus der Erfahrung entwickelt und unterliegen auch immer wieder Veränderungen.

Derzeit (März 2005) benutzt man folgende Richtwerte:
 
Für Fische bis zu einer Endgröße von...

...rechnet man mit einen Wasserbedarf von

2 cm 1 l pro cm Körperlänge
5 cm 1,5 l pro cm Körperlänge
9 cm 2 l pro cm Körperlänge
13 cm 3 l pro cm Körperlänge
Ab 14 cm 4 l pro cm Körperlänge

B) Der Schwimmbedarf der Fische
'Unter unseren Pfleglingen gibt es sowohl Vielschwimmer, die immer in Bewegung sind und viel Bewegungsraum brauchen als auch eher ruhige Gesellen, die sehr standorttreu sind und nicht soviel Bewegungsspielraum brauchen. Bis auf einige Ausnahmen hat sich, ebenfalls aus der Erfahrung heraus, eine Mindestbeckengröße für die verschiedenen Fischarten entwickelt. Diese Werte werden als ausreichend erachtet, um dem Fisch ein natürliches Verhalten zu ermöglichen.
Hier gibt es keine Tabelle, man muss die Mindestbeckengröße selbst berechnen:

Für schwimmfreudige Fische gilt: Die Breite des Beckens sollte mind. das 10-fache der Endgröße des Fisches haben.
Die Höhe und Tiefe des Beckens mind. das 5-fache der Endgröße haben.

Für standorttreue und nicht so schwimmfreudige Fische gilt:
Die Breite des Beckens sollte mind. das 5-fache der Endgröße haben.
Die Höhe und Tiefe des Beckens sollte mind. das 2-fache der Endgröße haben.

Das Sozialverhalten der Fische
Man kann bei Fischen 4 Arten des Sozialverhaltens erkennen, wobei die Übergänge fließend sind.
Es beginnt beim Schwarmfisch, der immer in großen Schwärmen auftrifft, führt dann zum Gruppenfisch, der in kleineren Gruppen gemeinsam umherzieht.
Als nächstes kommen jene Fische, die mehr oder weniger paarweise leben und zuletzt einzelgängerisch lebende Fische, die nur zu bestimmten Zeiten friedlichen Kontakt mit Tieren derselben Art aufnehmen. Auch dieses Sozialverhalten muss in der Aquarienhaltung berücksichtigt werden. Schwarmfische sollte man immer in möglichst großer Anzahl pflegen, es sollten aber nie weniger als 8-10 Tiere sein.
Gruppenfische fühlen sich in einem Kleinschwarm von 6-8 Tieren wohl, es können aber auch mehr sein.

Paarweise lebende Fische sollten, wie die Bezeichnung vermuten lässt, auch als Paar gehalten werden. Einzelgängerisch lebende Fische gibt es nur sehr selten. In Wahrheit brauchen diese Fische einfach ein sehr großes Nahrungsrevier. Da man so etwas im Aquarium schlecht reproduzieren kann, werden sie eben allein gehalten, da andere Tiere derselben Art sofort angegriffen werden. Es ist fraglich, ob man solche Fische überhaupt in einem Aquarium halten sollte.

Das Revierverhalten der Fische
Unabhängig von ihrer Größe besetzen viele Fische zeitweise oder ständig ein Revier bestimmter Größe, in dem sie keine Artgenossen (oder nur welche vom anderen Geschlecht) dulden. Für ständige Reviere sind insbesondere Cichliden bekannt, aber es gibt auch andere Fischgattungen, die so ein Verhalten zeigen (manche Welse z.B.). Bei diesen Fischarten muss die Aquariengröße natürlich auch auf die Reviergröße abgestimmt werden. Durch eine gut strukturierte und mit natürlichen Reviergrenzen (passend zur jeweiligen Art) versehene Einrichtung kann man diese Revierbildung auch in gewissen Grenzen steuern. Nicht ständig vorhandene Reviere sind bei der Fortpflanzung von Bedeutung. Die Männchen grenzen damit einen kleinen Bereich ab, in dem sie sich den Weibchen präsentieren können. Viele als Schwarmfische bekannte Arten bilden solche Reviere. Sie sind aber für die Beurteilung, wie viele Fische in ein Aquarium passen, nicht von Belang, da sie recht klein sind und oft nur einige Minuten Bestand haben.

Der Lebensraum der Fische
Viele Fische bevorzugen bestimmte Regionen im Wasser. Das reicht von extremen Oberflächenfischen (Beilbauchsalmler, Schmetterlingsfische) bis zu nur am oder im Boden lebenden Fischen (Bratpfannenwelse, Dornaugen, Panzerwelse). Man sollte im Aquarium vermeiden, eine Region zu stark zu bevölkern, auch wenn alle anderen oben genannten Bedingen passen. Es ist viel besser, das Aquarium „Etagenweise zu vermieten“. So haben die einzelnen Fische einen größeren Bewegungsbereich und kommen sich nicht andauernd in die Quere. Ebenso sollte man darauf achten, nicht Jäger und Beute miteinander zu vergesellschaften.

Einige Aspekte, die Ernährungsweise z.B. wurden in diese Aufzählung nicht aufgenommen. Es würde zu weit führen, diese Gesichtspunkte zusätzlich zu erläutern, sind sie doch für die Haltung der meisten Fische nicht so von Belang. Dieser Text weist auf verschiedene Punkte hin, die beim Besetzen eines Aquariums zu beachten sind und soll den Aquarianer für die Probleme in diesem Zusammenhang sensibilisieren und dazu beitragen, Fehlbesetzungen, unter denen sowohl Tiere als auch Halter leiden, zu verringern.


© Text: Viktor Kopp, mit freundlicher Genehmigung des Autors

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