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Zwergkrallenfrösche
Wie bei den größeren Pipiden gibt es auch bei den Zwergkrallenfröschen mehrere Arten. Am häufigsten wird Hymenochirus boettgeri nachgezogen. Die Art bekommt man auch meistens im Zoofachhandel

Von Astrid Falk



Hymenochirus boettgeri ist in West- und in Zentralafrika beheimatet, wo er in Gewässern der Regenwälder lebt. Er wird bis zu viereinhalb Zentimeter groß, wobei die Männchen nach Froschlurchart ein wenig kleiner bleiben als die Weibchen.
Zwergkrallenfrösche eignen sich im Gegensatz zu ihren großen Verwandten (Xenopus laevis) sehr gut für die Haltung in kleineren Aquarien. In Gesellschaftsaquarien bekommen sie meistens zu wenig Futter; Fische sind einfach schneller. Die Fröschchen stehen dann unter Stress, magern ab und gehen schließlich ein. Man hält sie deshalb besser von Anfang an für sich allein.

Ein Aquarium ab 50 Zentimeter Länge reicht für eine kleine Gruppe aus. Es sollte gut abgedeckt werden, denn die Frösche können an den Scheiben empor steigen und sich sehr flach machen, so dass sie durch engste Spalten schlüpfen. Zwischen Wassoberfläche und Abdeckung (fünf Zentimeter reichen aus) bleibt genügend Luft zum Atemholen.

Weil die Tiere im Untergrund wühlen, etwa um kleine Würmer aufzuspüren, eignet sich Aquariensand am besten als Bodensubstrat. Außerdem kann man beim wöchentlichen Wasserwechsel (man tauscht die Hälfte des Aquarienwassers gegen temperiertes Leitungswasser aus) Mulm absaugen, der sich auf dem Sand abgelagert hat.
Die Frösche verstecken sich tagsüber gern in engen, dunklen Spalten oder Höhlungen. Aquarientaugliche Wurzelstücke lassen sich leicht entsprechend gruppieren. Steinaufbauten müssen schon sehr standfest sein, denn sonst werden sie unterwühlt und können beim Einsturz Schaden am Becken oder an den Tieren anrichten. Die Wasserströmung darf nur schwach sein. Trotzdem ist ein Aquarienfilter (mit verstellbarer Strömungsstärke) sinnvoll, denn die kleinen Tiere produzieren erstaunlich viel Dreck. Der Mulm wird oft aufgewirbelt und treibt im Becken umher. Das ist nicht unbedingt schädlich, sieht aber nicht gerade dekorativ aus. Wenn man eine Bepflanzung wünscht, muss das Aquarium gut ausgeleuchtet werden. Schattige Zonen entstehen dann wiederum durch die Pflanzen. Die Frösche brauchen keine sehr helle Beleuchtung. Zwar sind sie auch am Tage unterwegs, hauptsächlich jedoch abends und nachts. Wasserpflanzen, die im Boden wurzeln, werden leicht ausgewühlt. Auch empfindliche, feinfiedrige Arten halten sich nicht lange. Geeignet sind robuste Gewächse wie Wasserpest, die nicht eingepflanzt werden müssen, oder Javafarn und Anubias, die auf Wurzelstücke aufgebunden werden können und dort anwachsen.

Das Wasser sollte mindestens 20 und höchstens 28 °C warm sein. Im Winter hält man die Frösche kühler als im Sommer. Das hemmt den Fortpflanzungstrieb und verschafft den Tieren eine Ruhepause. Bei niedrigeren Temperaturen wird weniger gefüttert, weil alle Stoffwechselprozesse jetzt langsamer ablaufen. Wenn es im Frühsommer wärmer wird, füttere ich wieder reichhaltiger.

Die Vermehrung
Lebendfuttergaben lösen bei meinen Tieren das Ablaichen aus, während die abendlichen und nächtlichen Lockrufe der Männchen schon im zeitigen Frühjahr, wenn die Tage länger werden, zu hören sind. Das metallisch klingende Sirren ist sehr leise und stört auch geräuschempfindliche Personen nicht.

Die Paarung von H. boettgeri


Bild links
: Beide Tiere stülpen während des Ablaichens ihre Kloaken aus.
Bild unten: Zusammen schwimmt das Paar zur Wasseroberfläche

Zusammen schwimmt das Paar zur Wasseroberfläche


Mein Froschbecken steht direkt am Fenster ohne zusätzliche Beleuchtung. Zu empfehlen ist das nicht gerade, weil man -außer im Winter - dauernd gegen verschiedene Algenplagen ankämpfen muss. Bei den Männchen schwellen nun die Brunftschwielen (Postaxialdrüsen) an. Man kann sie als rote, leicht erhabene Stellen hinter den Vorderbeinansätzen gut erkennen. Die Drüsen sondern Duftstoffe ab, von denen die Weibchen stimuliert werden.
Während der Paarungen, bei denen das Männchen das Weibchen von oben umklammert, schwimmen die Tiere mehrmals gemeinsam zur Wasseroberfläche. Sie drehen sich so, dass die Bäuche nach oben zeigen, und laichen in dieser Stellung ab. Die Eier bleiben direkt unter der Wasseroberfläche liegen. Will man Frösche aufziehen, ist es am einfachsten, einige Laichkörner mit einem Löffel oder einer kleinen Kelle vorsichtig in ein Aufzuchtaquarium hinüberzuheben. Die Eier sind sehr klebrig, und es passiert leicht, dass sie schon beim Eintauchen an einem trockenen Löffel (deshalb den Löffel vorher anfeuchten) hängen bleiben. Der übrige Laich wird meistens von den Großen verspeist.

Kaulquappen von H. boettgeri

Bild oben: Die winzigen Kaulquappen halten sich zuerst dicht unter der Wasseroberfläche auf.
Bild links: gut zu sehen ist hier die Postaxialdrüse des Männchens






Je nach Wasserwärme schlüpfen nach ein bis zwei Tagen winzige Kaulquappen. Sie bleiben in der ersten Zeit unmittelbar unter der Wasseroberfläche und halten dort nach Kleinstlebewesen Ausschau, die sie - bereits nach Krallenfroschart - durch Saugschnappen erbeuten. Hat man eingefahrene Aquarien mit Bodengnmd und Pflanzen (Strömung behagt denWinzlingen nicht, deshalb lässt man die Filterung weg), braucht man die ersten drei bis fünf Tage überhaupt nicht zu füttern, weil es hier genügend Nahrung gibt. Dann allerdings sollten frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien - die Quappen sind nun groß genug, um sie zu erbeuten - zur Verfügung stehen. Artemia-Zysten und passende Brutgerätschaften erhält man im Zoofachhandel. Fragen Sie nach sehr kleinen Artemia. Es gibt verschiedene Sorten; die kleinen sind jedoch nicht überall erhältlich. Dreimal täglich wird mittels Pipette gefüttert - zuerst nur wenig, um zu beobachten, wieviel überhaupt auf einmal gefressen wird. Manche Züchter verteilen die Quappen auf mehrere Kühlschrankboxen, die außer dem Wasser aus dem Elternaquarium keinerlei Einrichtung enthalten. Jeden Tag muss man hier Kot und Nahrungsreste entfernen und die Tiere vom ersten Tag an vorsichtig mit zuvor angesetzten Infusorien (Zoofachhandel) füttern, bis sie groß genug sind, um Artemia-Nauplien zu fressen. Diese Methode erfordert einige Erfahrung und viel Fingerspitzengefühl für die Menge der Futtergaben. Die winzigen Einzeller sieht man mit bloßem Auge gar nicht; außerdem sind nicht nur Arten dabei, die auch von unseren Quappen gefressen werden. Schnell kann das Wasser verderben, wenn sie massenhaft darin absterben.

Die Aufzucht der winzigen Kaulquappen bis zu ihrer Umwandlung ist schwieriger als die Pflege der Frösche. Es lassen sich nur wenige Quappen pro Behältnis heranziehen; in einem Aquarium von beispielsweise 30 x 20 Zentimetern können mehr als fünf Larven schon zuviel sein. Die Größe der Wasseroberfläche ist maßgebend, weil die Tiere sich in diesem Entwicklungsstadium hier aufhalten. Bei einigen Amphibien, so auch bei Zwergkrallenfröschen, gibt es den so genannten crowding effect. Die Quappen sind zwar nicht kannibalisch, hemmen sich aber bei größerer Besatzdichte gegenseitig in ihrer Entwicklung. Es tritt Stress auf, die Quappen werden krank und sterben innerhalb weniger Tage.

Je nach Temperatur (sie sollte etwa 25 °C betragen) haben die Quappen ihre Umwandlung zum Frosch nach etwa vier Wochen abgeschlossen und nehmen jetzt feines Frostfutter wie Cydops und Wasserflöhe. Später fressen sie rote und schwarze Mückenlarven und große Artemia. Weiße Mückenlarven sinken nicht nach unten. Die Frösche suchen zwar hauptsächlich am Boden nach Futter, lernen jedoch schnell, dieses leckere Futter von oben abzuholen. Ab und zu kann man gut gespülte Tubifex verfüttern. Mit einer Enchyträenzucht hat man immer schadstofffreies Lebendfutter zur Hand. Flockenfutter wird von eingewöhnten Tieren manchmal angenommen, reicht aber als Hauptfutter nicht aus.

Bücher zum Thema:

Amphibien im Aquarium
Von Hans-Joachim Herrmann. 170 Seiten. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1994. ISBN 3-8001-7287-9
Krallenfrösche, Zwergkrallenfrösche, Wabenkröten - Pipidae in Natur und Menschenhand
Von Kriton Kunz. 120 Seiten. Natur und Tier-Verlag, Münster, 2003. ISBN 3-931587-75-4
Mein Zwergkrallenfrosch
Von Frank Schäfer. 72 Seiten. A. C. S. GmbH (Aqualog), Rodgau, 2003. ISBN 3-800-7287-9.


© Beitrag aus der Aquarien-Praxis 7/2004, mit freundlicher Genehmigung der Autorin und der Redaktion der Aquarien-Praxis

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