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[Im Gespräch]: Dr. Oliver Hochwartner, Veterinär
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helmut
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BeitragBeitrag #51 vom 13.01.2005 - 22:02  Titel:  

Hallo Oliver

Da es ja jetzt zu Ende geht mit dir Rolling Eyes möchte ich mich bedanken.

Ich habe selten bessere, informativere und umfangreichere Antworten gelesen. Unabhängig davon, ob es um meine Fragen, oder ob es um die Fragen der Anderen ging und genau so unabhängig vom jeweiligen Thema. Sie waren aufschlußreich und leicht verständlich gehalten.

Man sollte dem Forum wünschen, dass du ihm erhalten bleibst. Wenn ich Jürgen richtig verstanden habe, wird dies leider nicht möglich sein.

Schönen Dank
und Gruß

helmut



Oliver Hochwartner
Veterinär



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BeitragBeitrag #52 vom 16.01.2005 - 19:37  Titel:  

Liebe Tatjana, liebe alle,

eben, eben! Wie Ihr seht, werden viele Fragen gestellt, ich komm mit dem Beantworten kaum noch nach! Wenn Ihr zurückblickt, es sind noch jede Menge Antworten zu verschiedensten Themenkreisen offen, die ich natürlich noch gerne beantworten möchte. Deswegen bat ich Jürgen um Annahmestop, um das auch bewerkstelligen zu können.

Vielen Dank für Eure sehr positiv ausfallenden Rückmeldungen zu meinem getippsel; was kann einen mehr erfreuen ?!!! Sehr froh!

Zu Deinen Fragen:

Die von Dir als "gute Bakterien" bezeichneten Bakterien sind die so genannten "Filterbakterien" deren Aufgabe darin besteht, das vom Fisch über die Kiemen ans Wasser abgegebene Ammoniak zu Nitrit (beide fischgiftig) und in der Folge zum (relativ) fischungiftigen Nitrat zu oxidieren. Dieser Vorgang heißt Nitrifikation und ist nur im aeroben (sauerstoffhältigen) Milieu möglich. Dazu ist viel Sauerstoff (O2) notwendig: 3g O2 für den Abbau von 1g Ammonium zu Nitrat. Die Nitrifikation wird von 2 Bakterienarten bewerkstelligt: Nitrosomonas spp. und Nitrobacter spp., die typischen Besiedler des Substrates unserer Schnellfilter (="normale" Aquarienfilter) darstellen. Erstere wandeln Ammonium zu Nitrit, die zweiten Nitrit zu Nitrat um, sind also jeweils „Nahrungsspezialisten“.

Für das so entstandene Nitrat gibt es jetzt 3 Möglichkeiten, aus dem Aquarienwasser entfernt zu werden:

1. es dient Pflanzen als Nährstoff
2. es wird durch Wasserwechsel aus dem Aquarium entfernt (meine bevorzugte und empfohlene Lösung)
3. es wird von anaerob (O2-frei) lebenden Bakterien (den so genannten heterotrophen Bakterien) unter O2-Abspaltung wieder zum Nitrit und dann erst zu Stickstoff-Gas N2 reduziert (Denitrifizierung), welches in Form von Gasbläschen das Aquarium verlässt. Diese Bakterien können nur an extrem sauerstoffarmen/-freien Orten existieren. Um die vom N abgespaltenen O2-atome in Form von CO2-Gas ans Wasser abgeben zu können, brauchen sie eine ständige Kohlenstoff (C)-quelle, z.B. in Form von organischen Säuren oder Alkoholen wie zB. Methanol oder Ethanol (was Fische nicht so gut vertragen…). Existieren können diese Bakterien nur in strömungsarmen, anaeroben Milieu und bei kontinuierlicher Versorgung mit C-Quellen.
Anarobe Verhältnisse herrschen im Aquarium nur im Bodengrund ab einer Mindesttiefe von 8-9 cm; oder in einem Langsamfilter, in dem das Wasser durch eine um das 100 fache verlängerte Verweildauer (im Vergleich zum Schnellfilter) O2-frei werden kann.
Lokal begrenzte anaerobe Zonen im Bodengrund sind auch wichtig für Aquarienpflanzen, um ihr Nahrungsspektrum voll ausnützen zu können (z.B. Eisenversorgung). Gegen einen ausreichend tiefen Bodengrund mit der Möglichkeit anaerobe Zonen zu entwickeln ist auch aus fischpathologischer Sicht nichts einzuwenden.
Der Einsatz von Langsamfiltern bleibt meiner Meinung nach ausgesprochen fortgeschrittenen und der Wasserchemie verfallenen AquarianernInnen vorbehalten. Das Ablaufwasser des Langsamfilters muss permanent auf Nitrit und Redoxpotential kontrolliert werden. Die Gefahr ist groß, dass nicht alles Nitrat direkt zu Stickstoffgas reduziert wird, sondern ein bestimmter Anteil Nitrit bleibt, der das Aquarienwasser wieder mit dem eigentlich zu entfernenden Nitrit belastet. Sinkt das Redoxpotential zu tief ab (unter -300--400 mV) besteht die Gefahr, dass unsere anaeroben, nitratabbauenden Bakterien das Sulfat als Sauerstoffquelle zu benutzen beginnen und dabei fischgiftiger Schwefelwasserstoff entsteht, was nicht passieren sollte.
Also eher keine Technologie für Anfänger und durchschnittliche AquarianerInnen.

Ich empfehle lieber einen "eher häufigen" Wechsel "eher geringer" Mengen Wassers (je nach Besatz 10-20% WW, einmal wöchentlich). Das garantiert kontinuierlich gute Wasserwerte, ohne große Schwankungen der Qualität zu verursachen. Vergesst nicht, das Aquarium ist eine geschlossene Kreislaufanlage. Ein System in das permanent Nährstoffe aller Art eingetragen werden und nicht mehr raus können. Der Filter baut uns in erster Linie ja nur die fischgiftigen N-hältigen Substanzen zu fischungiftigen um. Also nichts verschwindet aus dem System. Aufgrund der immer positiven Bilanz beginnen sich alle im Futter vorhandenen Nährstoffe und deren Stoffwechselendprodukte im Aquarium anzusammeln. Nicht nur Nitrat ist ein guter (Algen)-dünger, auch z.B. Phosphate haben hervorragende Düngewirkung [wichtigste (Land-) Pflanzendünger sind: N-P-K]. Also nur Wasserwechsel vermögen eine Ansammlung aller abgebauten Nährstoffe wieder auszugleichen.

Grundsätzlich sind diese als „Filterstarter“ bezeichneten Produkte sinnvoll um einen Filter zu impfen, zu starten. Nur darf man sie auch nicht überschätzen! Es sind eben „Starterkulturen“, und keine „nach Einsatz ist Filter voll eingefahren-Kulturen“. Die Einlaufzeit von mindest 4 Wochen im Warmwasser- und 6 Wochen im Kaltwasseraquarium kann damit nicht wesentlich verkürzt, aber allemal stabilisiert und positiv gelenkt werden. Die gängigen Präparate am Markt sind so hoffe ich alle ok, spezielle Produkte kann ich jedoch nicht nennen. Das wäre vielleicht eine Frage an Jürgen? Gibt es da unterschiedliche Erfahrungen mit den diversen Filterstarterkulturen der einzelenen Anbieter? Vielleicht auch ob fest (Pulver, Granulat,…) oder flüssig?
Wie auch immer, glücklich alle AquarianerInnen mit mehreren eingefahrenen Filtern. Die sicherste und beste Lösung ist in diesem Fall sogar die günstigste: einfach eingefahrenes Filtermaterial mit nicht Eingefahrenen mischen und schon können die „richtigen“ Bakterien viel Neuland besiedeln.

Jetzt noch Gedanken zu den zwei konkret angesprochenen Präparaten, den biorein-Bakterien und dem Super Filterbakterienfutter.
Wie wir jetzt wissen enthält ersteres Bakterien für den aeroben und den anaeroben Prozess des Stickstoffabbaus. Die organischen Säuren im zweiten dienen der unbedingt notwendigen Ernährung der anaeroben Bakterien.
Fragen: brauche ich diese anaeroben Bakterien überhaupt? Haben die Anaeroben in meinem Aquarium überhaupt einen Lebensraum? Was passiert wenn ich aufhöre die Anaerobier mit der organischen Säure zu füttern?
Im Übrigen sind die Angaben dieser Produktinformation ziemlich unvollständig, irreführend und falsche Tatsachen vorspiegelnd:
-Schnellstart eines Aquariums- den gibt es nicht !!! Der Abbau der N-hältigen Substanzen ist wie eine Kette: das nächste Glied der Kette kann nur dann Leben, wenn das vorhergehende bereits ausreichend Nahrung produziert = angewachsen ist. D.h. die verschiedenen Arten bewachsen nicht gleichzeitig ihr Substrat, sondern immer in Abhängigkeit ihres individuellen Nahrungsangebotes !!!
-Reduktion von Phosphat, Stickstoffverbindungen wie Nitrit und Nitrat- nur bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen, sicherlich nicht so mir nix dir nix. Dann aber auch nur Nitrat. Sicherlich nicht beim "Schnellstart", wo ja noch gar kein Nitrat vorhanden sein kann!
-Bekämpfung von Algen- lass ich mal so dahingestellt.
-Krankheitsvorbeugung- ja, natürlich. Im Sinne von optimale Wasserqualität ist Grundlage der Fischgesundheit.
-Verdauung des Mulms und von organischem Abfall,.....- fast schon eine lustige Vorstellung….
- Die biologische Keule gegen Nitrit, Nitrat, Phosphat, Algen, Krankheiten !- das lass ich auch dahingestellt.

Also zusammenfassend: ich bin halt immer ein Freund der kleinen und notwendigen Schritte; ein Präparat das ALLES auf einmal kann (Starten mit aeroben und anaeroben Bakterien) ist zumindest aus meiner Sicht NICHT notwendig.
Ob das überhaupt möglich sein kann, dass die verschiedenen Kulturen in einer Flasche überleben können, ist eine gute Frage, das weiß ich nicht. Kann Das wer beantworten?

Bis bald, Oliver
Tatjana
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BeitragBeitrag #53 vom 16.01.2005 - 20:17  Titel:  

Hi Oliver,

DANKE! Blümchen
ManniAT
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BeitragBeitrag #54 vom 16.01.2005 - 21:46  Titel:  

Hallo Oliver,

ich will ja nicht lästig sein; aber meine Vitaminfragen sind noch offen!!

lg

Manfred
Oliver Hochwartner
Veterinär



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BeitragBeitrag #55 vom 16.01.2005 - 22:35  Titel:  Vitamine

Lieber Manfred, liebe alle,

wie bei allen Lebewesen so auch der Fisch: Vitamine sind per Definition Substanzen, die in geringster Menge für bestimmte Stoffwechselabläufe zwingend notwendig sind, aber nicht im Körper selber hergestellt werden können, also mit der Nahrung zugeführt werden müssen. Für Fische werden die gleichen Substanzen wie bei Säugetieren als essentiell (unbedingt notwendig) beschrieben. Mit Sinken der Wassertemperatur spielt auch die Versorgung mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren eine zunehmende Rolle (Kaltwasser).
Für Fische gibt es also die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K und die wasserlöslichen Vitamine der B-Gruppe (B1, B2, B6, B12) und Vitamin C. Diese müssen dem Organismus zugeführt werden, um Mangelerscheinungen (Hypovitaminosen, Avitaminosen) zu verhindern, die es beim Fisch genauso wie beim Säuger gibt. Ein „schadet nicht“ kann man bei Vitaminen nicht sagen. Besonders bei den fettlöslichen Vitaminen sind Erkrankungen durch Überversorgung (Hypervitaminosen) möglich.
Moderne Trockenfuttermittel für Fische, die als „Alleinfutter“ gekennzeichnet sind müssen ausreichend mit allen Vitaminen und auch Spurenelementen angereichert sein. Entscheidend sind hier das Haltbarkeitsdatum und die Bedienungen der Lagerung des Futters sowohl beim Händler, als auch beim Aquarianer. Das Haltbarkeitsdatum ist in der Regel auf die Haltbarkeit der Vitamine und essentiellen Fettsäuren abgestimmt; also abgelaufenes Futter bitte entsorgen. Sonnenlicht, Hitze und Feuchtigkeit zerstören Vitamine, bringen die hochwertigen Fette im Futter schnell zum verderben (ranzig werden). Dadurch verkürzt sich die angegebene Haltbarkeit! Also lieber öfter kleine (=frische) Futtermengen kaufen, keine Futterlager anlegen. Auf richtige Lagerung beim Händler und bei sich selber achten! Keinesfalls geschimmeltes oder ranziges Futter verfüttern.
Fische, die mit gut gelagerten, nicht abgelaufenen, kommerziell erhältlichen Alleinfuttermittel gefüttert werden, sind im Großen und Ganzen gut versorgt.
Jeder der seine spezielle Futterpaste selber mischt, muss darauf achten, sie entsprechend zu vitaminisieren.
Wer will, kann mit seinen Fischen zwei-drei Mal jährlich eine 2-wöchige Vitaminkur durchführen, in der handelsübliche Präparate nach Gebrauchsanweisung verwendet werden. Eine Kur deswegen, um eventuellen Überversorgungen vorzubeugen, aber auch um damit das Immunsystem der Fische zu stimulieren. Die Verabreichung über das Futter ist vorzuziehen, da eine gezielte Abgabe an die Fische möglich ist und alle Vitamine (fett- u. wasserlösliche) einfach verabreicht werden können.
Übers Wasser sind nur die wasserlöslichen Vitamine an Fische zu verabreichen, was bezüglich der ausreichenden Aufnahme eines Fisches natürlich Unsicherheitsfaktoren offen lässt (Licht-, Temperatureinwirkung auf Vitamine, Aufnahme durch Konkurrenzorganismen, unterschiedliche Kiemengängigkeit…). Wenn dem in der Dosierung allerdings Rechnung getragen wird, ist der Einsatz über das Wasser durchaus auch möglich.

Für alle die nicht so gerne mit "Tropferln" hantieren: einfach alles Obst und Gemüse mit etwas Geduld ausprobieren! Koi z.B. lieben Orangen- oder Grapefruitstücke, manche Salat, Salatgurke, Paprika... . Möglichst pestizidfreies Obst und Gemüse kann für viele Fischarten zu einer wertvollen Vitaminquelle werden.

Das wär`s für heute, Liebe Grüsse, Oliver
ManniAT
Mitglied
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BeitragBeitrag #56 vom 16.01.2005 - 22:37  Titel:  

Hallo Oliver,

danke für die Infos!!

lg

Manfred
ManuK
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BeitragBeitrag #57 vom 17.01.2005 - 20:28  Titel:  

Hallo Oliver!

Bitte auch auf mich nicht verdessen Schämen

lg Manu!
Oliver Hochwartner
Veterinär



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BeitragBeitrag #58 vom 01.02.2005 - 23:55  Titel:  

Liebe Manu, liebe alle,

zuerst einmal sorry für das lange Warten und die späte Antwort, leider hatte ich in den letzten Wochen nicht genug Zeit an neuen postings zu arbeiten.

Der Einsatz von Pflanzen und Pflanzenbestandteilen als Medikament (sg. Phytotherapie) ist beim Fisch natürlich genauso berechtigt wie beim Säugetier. Die Anwendung von Phytotherapeutika ist beim Fisch als Bad oder über das Futter möglich. Leider ist mir keine wissenschaftliche Literatur zum Einsatz von Tees und Blättern beim Fisch in die Finger gefallen. Kann aber auf ein von Jürgen empfohlenes posting * Einloggen, um Links zu sehen verweisen. Dieses posting stellt eine sehr gute Zusammenfassung über den Einsatz von Pflanzen als Arzneimittel dar. Es werden viele interessante Aspekte erwähnt und vernünftige Tipps gegeben, z. B. der Notwendigkeit einer VOR Behandlungsbeginn gestellten sicheren Diagnose um auch eine gezielte Therapie durchführen zu können. Diesen beiden Sätzen stimme ich besonders zu: „Es ist aber zu sagen, dass bei bereits stark geschädigten Fischen diese natürlichen Mittel nicht immer zum Erfolg führen und man mit einer vorhergehenden genauen Diagnose und den DARAUF ABGESTIMMTEN Medikament oft besser bedient ist. Medikamente auf Verdacht oder ungenaue Diagnosen zu verwenden, ist in den meisten Fällen wirkungslos bis kontraproduktiv.“. Idealerweise wird zuerst eine Diagnose gestellt, dann eine Behandlung durchgeführt und abschließend der Erfolg der Behandlung kontrolliert. Nur so kann man dokumentierte Erfahrungen zur Wirksamkeit und Verträglichkeit bei wenig beschriebenen Therapieansätzen sammeln.
Vor allem muss man sich im Klaren sein, dass die Stärken einer „naturnahen“ Therapie zumeist im Bereich der Prophylaxe (Vorsorge) und der geringgradig krankhaften Veränderungen liegen und weniger in der Behandlung akuter und hochgradiger Krankheitsverläufe. Grundvoraussetzung ist ein ausreichend starkes Immunsystem, das noch mobilisierbar ist.
Unmittelbar im Anschluss an eine durchgeführte Behandlung mit Chemotherapeutika kann durch Einsatz pflanzlicher Wirkstoffe die Rekonvaleszenzzeit der Fische und die Regenerationszeit des Aquariums unterstützt, stabilisiert und verkürzt werden.

Der einzige mir aus der Literatur bekannte Einsatz von Laub in der Aquakultur findet bei Edelkrebszuchten statt: ein altbewährtes Mittel gegen die Brandfleckenkrankheit (Befall mit Fadenpilzen) der Krebse in Besatzzuchtanlagen ist die Vorlage von altem Erlenlaub (z.B. in Johannes Hager, Edelkrebse, Stocker Verlag).

Sehr gut dokumentiert und untersucht ist die Wirkung von so genannten Huminstoffen, die durch die Humifizierung von Chlorophyll im Boden entstehen. Die heute zur Verfügung stehenden unter natürlichen Bedingungen entstandenen Huminstoffe stammen weitgehend aus dem Tertiär und sind daher ca. 60 Mio. Jahre alt und werden in Böden, Torfen und Braunkohlelagerstätten gefunden.
Die bioaktiven Zentren der Huminstoffe stellen die Huminsäuren dar, die bis heute noch nicht als klassische Substanzen im Sinne der Strukturchemie eingeordnet werden können. Sie sind so unterschiedlich, dass nur Näherungsmodelle für ihre chemische Struktur bestehen. Danach sind Huminsäuren dreidimensionale Makromoleküle mit einem zentrale Kern und den verschiedensten peripheren funktionellen Gruppen. Es sind auch chinoide und flavonoide Strukturen vorhanden.
Hier schließt sich der Kreis unseres Ausfluges in die Chemie der Huminsäuren und dem Einsatz von Laub, Birken- und Walnussblättern. Huminsäuren, Gerbstoffe, Flavonoide und Chinoide sind Inhaltsstoffe, die auch aus Laub vieler heimischer Laubbaumarten sowie den Blättern der Birke und Walnuss freigesetzt werden. Die Wirkung der Huminsäuren kann folgendermaßen zusammengefasst werden:

schleimhautabdeckende, adstringierende und adsorptive Wirkung
antiphlogistische (entzündungshemmend) und paramunologische Wirkung (Stimulation der unspezifischen Immunabwehr)
antibakterielle und viruzide Wirkung
Regulation der Darmschleimhaut und der Darmflora (deshalb unverzichtbarer Bestandteil bei Therapie von Ferkel- und Kälberdurchfällen)

Aufgrund der natürlicherweise höchst unterschiedlichen Zusammensetzungen verschiedener Huminsäurepräparate ist es besonders wichtig, auf gesicherte Daten zur Verträglichkeit und Wirksamkeit eines standardisierten Produktes zurückgreifen zu können. Ich beziehe daher ein Huminsäurepräparat der Firma Weinböhla aus Deutschland, die seit vielen Jahrzehnten den Einsatz ihrer Produkte bei Fischen (Forellen und Karpfen) unter Versuchsbedingungen erforscht. Der Vorteil eines solchen Produktes ist eben die Standardisierung, ich weiß genau „was drinn ist“ und was das Präparat „kann“.
Daher ist bei Anwendung von selber gesammelten Laub und Blättern eine gewisse Standardisierung der Methode (Verwendung immer der gleichen Art/Unterart, Erntezeitpunkt, Verarbeitung, Dosierung, kontrollierter Therapieerfolg) anzustreben, um eine Reproduzierbarkeit der Ergebnisse besser gewährleisten zu können.

Hochinteressante kommerzielle Präparate zur Steigerung der unspezifischen Immunabwehr bei Fischen (der Aquakultur) werden aus verschiedenen Meeresalgen hergestellt. Dazu gibt es wissenschaftliche Publikationen.

Auch der Einsatz von Propolis bei Fischen wird spätestens seit dem Erwachen des Koi-Fiebers immer wieder in beschrieben, wissenschaftliche Literatur oder der Einsatz bei Nutzfischen ist mir jedoch nicht bekannt. Propolis kann an Fische verfüttert (z.B. zur Steigerung der unspezifischen Immunabwehr) oder lokal (z.B. für Wundverschluss und –Heilung) angewendet werden. Grundsätzlich wirkt die Propolis bakterio- und virostatisch, lokalanästhetisch, entzündungshemmend, durchblutungsfördernd, Wundheilung fördernd, Immunsystem stimulierend, antioxidierend und anderes mehr (Erfahrungen vom Säuger/Mensch).

Die homöopathische Behandlung von Fischen wird immer öfter erwähnt. Durch Koi steigt auch die Nachfrage bei Fischen (oder besser den Fischbesitzern) nach diesem Gebiet. Praktische Erfahrungen oder wissenschaftliche Arbeiten sind mir jedoch noch nicht bekannt.

Die Tipps zum Nelkenöl habe ich bereits besprochen. Zu diesem Thema gibt es einiges an wissenschaftlicher Fischliteratur.

Soweit, liebe Grüsse,

Oliver
Oliver Hochwartner
Veterinär



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BeitragBeitrag #59 vom 02.02.2005 - 00:07  Titel:  

Hallo Zagon, liebe alle,

auf Deine Frage: welche Bedeutung ist dem gelegentlich entspannten Maulaufreißen und Gähnen eines Fisches zuzuordnen? - würde ich mal antworten: Entspannung. In dieser Position sind die meisten der unzähligen Muskeln der Maul- und Kiemenhöhle sowie des Kiemenapparates offensichtlich locker.
Sehe mir gerade Deinen Avatar an…. Der Pseudocrenilabrus wirkt ganz besonders entspannt. Wenn ich richtig erkennen kann, stellt dein Baby seine Kiemendeckeln entspannt ab und verliert dabei auch noch ein Würzel,… völlig entspannnnnt. Insgesamt ist das Bild für einen Sauerstoffmangel zu entspannt…..

Der Sauerstoffmangel bei Fischen kann eine absolute oder relative Ursache haben. Sinkt der Sauerstoffgehalt des Wassers unter eine bestimmte Schwelle, entsteht ein absoluter Sauerstoffmangel (z.B. durch Überbesatz, Überfütterung, Bepflanzung, Hitze, Stromausfall…). Sind hingegen die Kiemen der Fische nicht mehr zur Durchführung ihrer Aufgaben in der Lage (wegen Verschleimung, Schwellung, Verschmelzung oder Zelltod; aufgrund unzureichender Wasserqualität oder Parasiten, Bakterien Viren, Pilze,…) entsteht ein relativer Sauerstoffmangel. Die URSACHEN sind also grundverschieden, die SYMPTOME des Sauerstoffmangels sind aber immer gleich:
Zuerst beginnen die Fische einfach schneller zu „Atmen“, einfach erkennbar an der Bewegung der Kiemendeckelränder. Beobachtet Eure Fische oft und lernt bewusst ein Gefühl für normale Atemfrequenzen zu erlernen. Je wärmer das Wasser, je mehr Futter, je kleiner der Fisch, umso schneller ist normalerweise die Atmung.
Bei fortschreitender Atemnot beginnen die Fische „pumpende Atembewegungen“ zu machen, die Bewegungen des ganzen Körper sind in die Atembewegungen integriert.
Die letzte Stufe stellt dann das so genannte „Luftatmen“ dar. Die nach Sauerstoff ringenden Fische kommen an die Wasseroberfläche und versuchen so atmosphärischen Sauerstoff zu atmen. Fische, die Aufgrund von Sauerstoffmangel versterben, zeigen die charakteristische „Erstickstellung“ mit weit aufgerissenen Maul und abgespreizten Kiemendeckeln; eine ganz typische Todesstellung.
Die Fische wirken bei Sauerstoffmangel kein Moment entspannt, das Verhalten vermittelt eindeutig Unruhe, Nervosität und hohen Stress, verursacht durch diese Situation.

Auch bei einem Befall mit Haut/und/oder/Kiemenwürmern kommt es zu Kiemendeckel- und Maulbewegungen die aber als „husten“ oder „spucken“ der Fische beschrieben werden und auch als einseitige Bewegungen auftreten können. Dies passiert im Lauf der folgenden Tage und Wochen jedoch immer häufiger und greift auf andere Fische über. Gelegentlich beginnen die Fische auch typische „Kratz- und Scheuerbewegungen“ an Gegenständen und Kanten durchzuführen. Auch das kann einen Hinweis auf Ekto(Aussen-)parasitenbefall darstellen.

Euch allen noch einen entspannten Abend, bis bald,

Oliver
Zagon
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Anmeldungsdatum: 14.09.2004
Beiträge: 3711

Fische: 15051

Status: Offline

BeitragBeitrag #60 vom 02.02.2005 - 01:09  Titel:  

Hallo Oliver,

möchte mich herzlichst für die info bedanken Smile
hoffe du bleibst uns noch eine weile erhalten, jedoch in einer für dich "entspannten" art, deine beiträge sind echt angenehm und interessant zu lesen!

Danke nochmals

LG
Zagon
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