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Therapeutischer Gebrauch von Salz (NaCl)
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Jürgen
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BeitragBeitrag #1 vom 26.06.2004 - 12:17  Titel: Idee Therapeutischer Gebrauch von Salz (NaCl)

SALZ (Natriumchlorid NaCl, Kochsalz): therapeutische Verwendungsmöglichkeiten im Aquarium

Die Verwendung von geringen Mengen Salz (NaCl) in der Aquaristik hat schon eine lange Tradition. Es wirkt antibakteriell, antimykotisch und reduziert die Giftigkeit von Nitrit, mildert die Auswirkungen eines pH-Sturzes und verlangsamt die Entwicklung von einzelligen Fischparasiten. Kochsalzbäder helfen bei einer Reihe von Ektoparasiten (Trichodina, Chilodonella, Costia), Pilzbefall und Befall mit Karpfenläusen und Egeln.

Der Salzgehalt des Wassers wirkt sich in erster Linie und direkt auf die Osmoregulation des Fisches aus. Die meisten Arten haben sich im Laufe der Evolution an einen relativ engen Salinitätsbereich angepasst.
Verlässt die Salinität (= Salzgehalt) diesen Bereich, so folgen daraus stark gestörte osmotische Werte und in der Folge Veränderungen in den Körperzellen. Die Folge ist "Stress" und eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit. Wenn man also z.B. Lebendgebärende zukauft, die in einem Aquarium gehalten werden, das einen realitv hohen Salzgehalt aufweist und die dann ohne Anpassung in sein Becken gibt können sie einen osmotischen Schock erleiden und entweder am nächsten Tag oder zumindest in den nächsten 2 Wochen ab Neubesatz eingehen.
Erkundigt euch, ob die Fische, die ihr kaufen möchtet, in einer höheren Salzkonzentration als allg. üblich gehalten werden (Zoo-Fachhändler). Ist das der Fall, könnte man die Fische zuhause in einem vorbereiteten Quarantäne-Becken bei annähernd gleichem Salzgehalt auf einen niedrigeren Salzspiegel umgewöhnen. Z.B., indem man über einen Zeitraum von 2 Wochen täglich einen Tw-Wechsel von 25 % d. Beckenvolumens vornimmst.

Die Verwendung von Salz in einer vernünftigen Konzentration hat KEINE negativen Auswirkungen auf Zierfische. Davon natürlich AUSGENOMMEN sind ausgesprochene Weichwasserfische, die nur eine bestimmte Salinität (und da nur therapeutisch über einen kurzen Zeitraum) vertragen, z.B. Apistogramma nijsseni oder geschwächte Saugwelse. Im schlimmsten Fall reagieren ab 0,1 % empfindliche Pflanzen mit schlechterem Wachstum, Cabomba und andere Haarnixen mögen allerdings auch einen Gehalt von unter 0,1 % nicht mehr so gerne.

Salz verkürzt die Lebensdauer vom Zierfischen nicht, wenn das Aufsalzen LANGSAM geschieht. Ebenso muss die Verringerung des Salzgehaltes langsam und über mehrere Tage erfolgen.

Dosierung:
Als Kurzbad über 10-20 min wird eine Dosierung von 15-20 g/l eingesetzt, bei extremen Weichwasserfischen verwendet man eine Dosierung von 5-10 g/l. Das Dauerbad über 3-5 Tage wird mit 1-3 g/l bei Weichwasserfischen und 3-5 g/l bei Fischen aus härterem Wasser angesetzt.
Zur Behandlung sollte kein Salz aus dem Lebensmittelhandel verwendet werden, das Jod enthält. Antibackzusätze, die die Rieselfähigkeit des Speisesalzes (Blutlaugensalz) erhalten sollen + die hohe Jodkonzentration, die beim Menschen eine Kropfbildung verhindern soll, können empfindliche Fische schädigen. Verwende unjodiertes Kochsalz oder synthetische/natürliche Meersalzmischungen, wie sie auch für Salzwasseraquarien verwendet werden können

Eine Konzentration von 0,1 % ist als allgemeiner Aquarienzusatz für Lebendgebärende oder als zusätzliche Behandlung für Fische, die Anzeichen von Verletzungen zeigen, geeignet.
0,1 % entsprechen einer Menge von 1 g/Liter Wasser.
Auf 20 Liter Wasser gibt man entsprechend 20 g Salz = 4 Teelöffel (jodfrei, ohne Backzusätze: Meersalz). Das dürfte um einiges unter den Konzentrationen sein, mit denen die Platys und Guppys im Zoo-Fachhandel vorbeugend beglückt werden. Allerdings - das Problem ist, dass die Lebendgebärenden bereits von den Züchtereien "salzgewöhnt" geliefert werden und deshalb auch im Laden den Salzzusatz benötigen, um nicht zu erkranken.
Eine Dosierung von 1 Teelöffel / 25 Liter hat sich auf jeden Fall in den Aquarien bestens bewährt - alle Zierfische vertragen diesen Salzzusatz ohne Probleme, auch Discusfische. Auch die handelsüblichen Aquarienpflanzen vertragen diese Konzentration sehr gut.

Bei höheren Salzkonzentrationen, wie man sie therapeutisch für Kurz- oder Dauerbäder im Krankheitsfall verwendet, verfährt man ebenfalls nach dieser Methode. Als Dauerbad kann man über 3-5 Tage "Hartwasserfische" in einem Bad mit einer Salzkonzentration von 3-5 g/l ansetzen. Im Kurzbad bei massivem Ektoparasitenbefall kann eine Dosierung von 15-20 g/l eingesetzt werden (Hartwasserfische!), ein 10-15 Minuten Bad in einer 2-3 %igen Salzlösung (2-3 g/Liter) entfernt Fischegel oder lockert deren Halt so, dass man sie mit einer Pinzette entfernen kann.

Ausserdem empfiehlt es sich die Fische während des Kurz- oder Dauerbades genau zu beobachten, vor allem geschwächte Fische können durch höhere Salzkonzentrationen einen osmotischen Schock erleiden. Für länger andauernde Bäder kann eine stufenweise Erhöhung der Salzkonzentration von Vorteil sein.
Diese Vorgehensweise gilt allerdings für alle Aquarium bzw. Teichfische und nicht nur für Goldfische.

Nachfolgende eine Aufstelung der Salzkonzentrationen und ihrer therapeutischen Wirkungen:

Konzentration.................g/l.......................Gebrauch

0,1 %............................1 g.........................allgemeiner Aquarienzusatz: für Lebendgebärende oder als zusätzliche Behandlung für Fische, die Anzeichen von Verletzungen zeigen; Einsatz als Dauerbad

0,3 %............................3 g......................zur Verringerung der Nitrit-Toxizität (Giftigkeit) im Süsswasser oder als zusätzliche Behandlung bei Verletzungen; als Dauerbad

0,3-0,5 %.....................3-5 g...................zur Bekämpfung von Hydra, als Dauerbad für 5-7 Tage

1 %...............................10 g....................als unterstützende Behandlung für Fische mit geschwürigen Erkrankungen; langsame Anpassung, dann Dauerbad (wird von empfindlichen Fischen nicht vertragen), sonst 10 - 20 min.

2-3 %...........................20 - 30 g............um Egel von Teichfischen zu entfernen; nur kurze Bäder von 10 - 20 min


Zuletzt bearbeitet von Jürgen am 30.10.2006 - 02:47, insgesamt 1-mal bearbeitet



Pegasus70
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BeitragBeitrag #2 vom 01.08.2004 - 12:35  Titel:  Wie Salzgehalt messen??

Hallo Jürgen!
Ich habe nun, da meine Roten Neons draussen sind, mein 150L Becken aufgesalzen. Erst einmal ein bisschen damit sich die Fischis ddaran gewöhnen. Aber ich mache ja auch regelmässig meinen TWW, also wie kann ich es nachmessen, dass ich insgesammt nur 0,1% Salzgehalt habe? Oder dann auch wieder bekomme?
Danke und Grüsse
Pega
Jürgen
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BeitragBeitrag #3 vom 01.08.2004 - 15:10  Titel:  

Hallo,

naja, am einfachsten, indem zum Wechselwasser immer die entsprechende Menge Salz (1g / Liter) zugegeben werden.

Dann mit einem elektronischen Leitwert-Messgerät (µS/cm).
Und über die Messung der Dichte des Wassers mit einem Dichtemesser. Dichte des Süsswassers VOR der Salzzugabe messen - Salz reingeben - Dichte danach messen. Wert notieren und sich daran halten.

Lg
Jürgen


Zuletzt bearbeitet von Jürgen am 15.12.2005 - 11:19, insgesamt 1-mal bearbeitet
Simon
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BeitragBeitrag #4 vom 01.08.2004 - 15:22  Titel: Notiz 

Hi Jürgen

Also das mit dem Salz find ich echt mega interessant ! Okay
Ist das Salz das ich habe (weisst eh das in der durchsichtigen Dose), das Salz von dem du hier redest ??
Ähm nochwas ich hab keine Grammwage Rolling Eyes, kann mann das auch in Ess bzw. Teelöffeln ausdrücken ?
Super hilfreiches Posting Danke Zwinker (hab bei meinen Barschen immer wieder verletzte dabei ! Biene

Mfg Simon
Jürgen
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BeitragBeitrag #5 vom 01.08.2004 - 15:32  Titel:  

Hallo,

>> kann mann das auch in Ess bzw. Teelöffeln ausdrücken ?

Ja, kann man:

1 gestrichener Teelöffel entspricht ca. 5 g
1 gehäufter Teelöffel entspricht etwa 7 g,
1 gestrichener Dessertlöffel ca. 10 g,
1 gestrichener Esslöffel ca. 15 g,
1 gestrichener Moccalöffel ca. 3 g

Lg
Jürgen
Simon
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BeitragBeitrag #6 vom 01.08.2004 - 15:37  Titel: Notiz 

Danke Jürgen

Habe nämlich gerade Salz verwenden müssen für einen verletzten Polypterus Senegalus, wenn mann das so liest könnte mann meinen du hast die Weishaeit mit Löffeln gefressen Zwinker *nix für ungut* Schämen

Mfg SImon
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BeitragBeitrag #7 vom 08.09.2004 - 18:39  Titel:  

Hallo Leute!

Bin neu hier und möchte euch zum Einstand von meinen Erfahrungen mit der Salzbehandlung bei Goldfischen berichten.
Zur Daueraufsalzung über Tage bis Wochen habe ich 1 gestr. Teelöffel unjodiertes Speisesalz auf 10 Liter angewendet. Die Salzkur diente zur Unterstützung medikamentöser Therapien gegen verschiedene Erkrankungen (z.B. Ichtyo, bakterielle Infektionen,...)
Manche Fachleute aus anderen Foren empfehlen bei Goldfischen sogar die doppelte Menge, aber ich bin da skeptisch. (auch bei Corydoras aeneus habe ich obige Dosierung problemlos angewendet.)

Bei Verpilzungen oder leichten Schleimhautabschürfungen und Flossenschäden empfehlen sich Kurzbäder mit etwa 1-2 gestr. Teelöffel Salz auf 1 Liter. Dauer: 10 Minuten bei ständiger Beobachtung der Fische - Zeit nicht übersehen!
Weiter Infos zur Salzbehandlung finden sich auf Renate Husmanns Seiten: * Einloggen, um Links zu sehen

Liebe Grüße
Irene
peter12345
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BeitragBeitrag #8 vom 27.05.2005 - 09:01  Titel:  

hallo irene, stimmt es, dass man bei einem ancistrus nicht mit salz 'behandeln' soll (hab da dunkel was in erinnerung - ich glaub eh von dir). wenn nein, warum eigentlich? danke + lg, peter
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BeitragBeitrag #9 vom 25.06.2005 - 13:49  Titel:  

Hallo peter!

Renate Husmann weist darauf hin, daß einige Welsarten empfindlich auf Salz reagieren, v.a. Otocinclus, einige Panzerwelse und Wildfänge diverser L-Welse:* Einloggen, um Links zu sehen
Ich persönlich habe Salzbehandlungen an Metallpanzerwelsen komplikationslos durchgeführt.
Bei Ancistren würde ich empfehlen mit einer vorsichtigen Dosis zu arbeiten (1 gestrichenen Teelöffel pro 10 Liter) und sie nur steigern, wenn die Welse unauffällig darauf reagieren. Ob bei Ancistren eine Salzbehandlung durchführbar ist, traue ich mich nicht global zu befürworten - ich denke, das sollte im Einzelfall ausgetestet und dann entschieden werden, obwohl die meisten Ancistren schon einiges wegstecken.

LG
Irene
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BeitragBeitrag #10 vom 05.08.2005 - 11:03  Titel:  

Zum Thema" Unterstützende Salzbehandlung bei Bauchwassersucht"

Bei bakteriell bedingter Bauchwassersucht wird häufig neben einer Behandlung mit nifurpirinolhältigen Präparaten die unterstützende Anwendung von Salz geraten.
Hierbei gibt es zwei Überlegungen, die zu bedenken sind:
- Der aufgetriebene Bauch resultiert aus Wassereinlagerungen im Gewebe, da die Nieren aufgrund der Erkrankung nicht mehr einwandfrei arbeiten. Die Aufsalzung des Wassers hätte den Sinn den Druck auf die Organe durch Entziehung von Flüssigkeit zu mindern.
- Auf der anderen Seite gilt es zu bedenken, daß ja die Nieren ohnehin schon überlastet sind bzw. in ihrer Funktion beeinträchtigt sind, und daher Salze nichht mehr gut aus dem Körper ausscheiden können.

Weiterführender Link: * Einloggen, um Links zu sehen
Ein Auszug daraus:
Zitat:
"..Unter normalen Umständen ist die Salzkonzentration (Osmolarität) des
Fischkörpers höher als im umgebenden Süßwasser. (Bei Salzwasserfischen ist
es umgekehrt.) Es strömt ständig Wasser in den Fisch hinein, welches über die Nieren wieder ausgeschieden wird. Im Gegensatz zu den trinkenden Salzwasserfischen sind Süßwasserfische also "Pisser".

Wie Du nun schreibst, sind die Nieren angegriffen. Aus diesem Grund sammelt sich Flüssigkeit im Fisch an (daher ja auch der dicke Bauch, der in letzter Konsequenz zur Schuppensträube führt).[1]
Um nun die Nieren zu entlasten erfolgt eine Aufsalzung des
Umgebungswassers, wodurch Flüssigkeit aus dem Fisch herausgezogen wird!
Aus diesem Grund führt man die Salztherapie ja durch; und aus diesem Grund kann (muß nicht!) die Salztherapie möglicherweise die einzige Rettung für den
Fisch sein."


Wenn ich nähere Infos dazu habe, werde ich sie hier nachliefern.
LG
Irene
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