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Tipps und Kniffe rund um das Aquarium

Zierfischforum.at - TrickkisteTipps und Tricks, um das Aquariumwasser fischgerecht zu machen

Mit einigen Tricks und Kniffen kann man sich das "Aquarianerleben" erheblich erleichtern und vereinfachen.
Vieles ist mit einfachen Hausmitteln herzustellen und muss nicht erst teuer erworben werden.


Torffilterung

Für die Haltung von vielen Zierfischen ist angesäuertes Wasser wichtig. Immer wieder wird von den Profis dazu Torf empfohlen.
Rolf Meyer schreibt in seinem Buch 'Lexikon der Süsswasser-Aquarienfische' über das Thema folgende interessante Dinge: Allgemein bemerkt er über Säuren:
Das Säuren-Basen Gleichgewicht natürlicher Gewässer wird u.a. durch zwei Säurekomplexe beeinflußt. Einmal die durch Auswaschung des Bodens ins Gewässer gelangten Huminsäuren und die bei der Zerstzung von Falllaub und anderem pflanzlichem Material freiwerdenden Gerbsäuren.
Im Gegensatz zu anorg. Säuren, besitzen diese organischen Säuren eine die Schleimhaut der Fische stabilisierende Schutzwirkung. Neben der Abgabe von Säure setzt Torf auch Wirkstoffe mit enzym- und hormonverwandter Wirkung frei, die das Wohlbefinden der Fische fördern, die Wiederstandskraft gg, Krankheiten erhöhen du stimulierend auf die Fortpflanzungsbereitschaft wirken. Ideal ist Hochmoortorf, rein, frei von Düngemitteln oder Zusätzen! Er empfihlt folgende Vorgehensweisen, um den Torf zu testen:
a) Salzfreiheit: Dazu eine Handvoll Torf mit einer Tasse wasser übergießen, den Torf anweichen lassen, einen Teil des Wassers auf einer Glasplatte verdunsten lassen. sämtliche Salze wären sichtbar, als nicht verdunstete 'Resterln'/Kriststalle.
b) 'Säuregehalt': Eine Handvoll Torf für 24 h in einen Liter heißes Wasser. Danach pH vom Wasser messen: Soll zwischen 4 und 4.5 liegen. Dazu muß ich selber noch anmerken: Wir haben einmal bei uns in der Firma Blumenerde und auch Torf für die Gärtner gehandelt.
Dabei hatte ich Gelegenheit, bei der Firma Floragard in Oldenburg sowohl einen Torfstich, als auch eine Abfüllanlage anzuschauen. Der Torf, geht über die gleiche Anlage, wie die zum Teil recht hoch aufgedüngten Blumenerden. Das heißt: Wenn man Pech hat, erwischt man einen Torf-Sack, der unmittelbar hinter einer hoch aufgedüngten Blumenerde abgefüllt wurde.
Deshalb: Wieder eine Handvoll Torf ins Wasser, und Phophat und Nitrat, Leitwert prüfen. Sicher ist sicher. Das kriegt man auch heraus, wenn man in den div. Aquaristik-Diskussions-Foren unter dem Stichwort Torf recherchiert.
Dann: Torf für den Garteneinsatz muß den pH-Wert auf der Packung stehen haben. Weiters: Hochwertiger Torf ('Weißtorf') ist möglichst grob. Je feiner das Material, desto mißtrauischer würde ich sein. Und ein hellerer Torf ist einem dunkleren vorzuziehen. Noch ein wichtiger Punkt: In letzter Zeit werden auch dem Torf Mittel zugesetzt, die die Oberflächenspannung des Wassers herabsetzen - das bedeutet für den Gärtner: 'Der Torf nimmt das Wasser leicht an' Diese Mittel sind in jeder guten Standard-Erde sowieso auch drin. Test: Torf 'erdfeucht' anrichten, in eine Form pressen, möglichst fest - dann komplett austrocknen lassen. Danach etwas Wasser draufgießen. Der Torf darf das Wasser nicht sofort annehmen, es muß ziemlich große Tropfen bilden, die länger brauchen, bis sie aufgesogen werden. Wenn man viel Wasser ins Gefäß gibt, muß der Torf aufschwimmen und eine Menge davon trocken bleiben. Wenn das Wasser sofort in den total trockenen Torf einsickert, ist er eben nur für das Gärtnern und nicht fürs Aquarium geeignet.
Ein Abfall der Oberflächenspannung dürfte für Fische und Pflanzen eine ziemliche Katastrophe darstellen. Je mehr ich recherchiert hab' desto mehr kann ich dem Anfänger in der Aquaristik von der Verwendung von 'Gartentorf' abraten. Gärtner haben andere Prioritäten, als Aquarianer! (siehe oben) Und welcher 'Anfänger' hat schon die nötigen Tests im Haus? Es gibt Filtertorf fertig zu kaufen. Die Packungen für den Gartenteich, sind größer und sicherlich erschwinglich, vor allem: Wenn da was passiert, haftet wer dafür. Das rechtfertigt für mich den höheren Preis. Beim Einsatz von Torf im Becken scheiden sich auch die Geister: Rolf Meyer empfielt, Torf mit in den Bodengrund zu geben. Ich hab' dabei die Erfahrung gemacht, daß man Probleme mit Algen bekommt. Entweder zersetzt sich das Zeug doch, oder, durch die rasch nachlassende ansäuernde Wirkung geht der pH, rauf, steigender pH-Wert fördert die Algen.... Bei der Filterung über Torf passiert folgendes: Am Anfang gibt der Torf viel, später immer weniger Säuren ab, am Ende gibt er Dinge ab, die er vorher absorbiert/aufgenommen hat. Das heißt in der Praxis: Bei jedem Wechsel des Filtertorfes, der spätestens nach 2 Wochen fällig ist, hat man ziemliche pH-Wert-Veränderungen im Becken.
Das ist im Gesellschaftsbecken meiner Meinung nach auf die Dauer nicht optimal. Im Zuchtbecken kann das nützlich sein. Auch bei starken Problemen mit Algenwuchs kann diese Wirkung nützlich sein. (rasche Senkung des pH-Wertes) Auch wird das Wasser schnell gelb, das ändert das Lichtspektrum in einer Weise, die die Algen nicht mögen. Besser ist sicherlich die Aufbereitung des Wechselwassern mit Torf. Bei einem Salmler-Züchter bin ich im Internet fündig geworden (leider hab' ich die Seite nicht wiedergefunden) und hab's mir abgeschrieben: 3-4 Liter Torf werden in eine Strumpfhose gepackt und in 60l Wasser gehängt.(kleine Regentonne) Mindestens für 24 h, max. für 2 Wochen.
Wasser von dort per Schlauch abziehen, ohne den Grund aufzuwirbeln ('feine Fuzerln' sollen nicht mit ins Aquarium) Dieses Torfwasser in Reinform nur verwenden, wenn vorher der pH-Wert gemessen wurde. Am besten mit Frischwasser mischen. 50:50 geht gut, 30:70 reicht für den 'Otto-Normalverbraucher'.....
Zuletzt sei darauf hingewiesen, daß man die Karbonathärte etwas senken kann, wenn das Wasser über Torf aufbereitet wird. Und: Torf enthält bakterein- und pilzhemmende Stoffe. Darauf weist auch Pinter in seinem 'Handbuch der Aquarienfischzucht' hin - und nicht zuletzt deshalb sind die 'Moorleichen' so gut erhalten (zuerst gegerbt durch die Gerbsäuren, dann konserviert eben durch bakterienhemmende Wirkung ....es ist auch wenig Luft im Moor...)
Diese bakterienhemmende Wirkung machten sich früher auch Bauern zunutze - Ein Tee aus Torf ist auch eines dieser alten Hausmittel gegen Kälberdurchfall - und heute noch wird eine 'Heilmoortränke' u.a für Kälber mit Durchfall verkauft - Ein Patzen 'Moorschlamm' hilft, daß Wunden schneller heilen, nicht nur bei Tieren - aber das sind schon Dinge, die die Aquaristik nicht mehr so betreffen.

Liebe Grüße!
Leo

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