Home |  Seiten Index / Letzte Aenderungen / Letzte Kommentare | Suchen:
Anmeldung:     Passwort:   

  Lesezeichen:   Seiten Index | Letzte Aenderungen | Letzte Kommentare | Benutzer | Registrierung  
Druckversion :: Microsoft Word Version

Zierfischforum Wiki: Wasserwerte ...

Wasserwerte


Inhalt

1. Allgemeines


Da unser Aquarienfische im Wasser leben, es atmen, aus ihm ihre Nahrung aufnehmen und in es ihre Stoffwechselprodukte auch wieder abgeben halte ich es für unerlässlich, dass ein Aquarianer zumindest in groben Zügen über die wichtigsten wasserchemischen Parameter bescheid weiss.
Außerdem tauchen im Forum regelmäßig Anfragen verschiedener Mitglieder auf, wie denn bestimmte Wasserwerte – meist sind es pH, GH und KH – verändert werden können. Grundlage hierfür sind meist Empfehlungen aus Datenbanken, Büchern, Zeitschriften, von Zoohändlern, Bekanntent etc. welche für eine bestimmte Fischart bestimmte Wasserwerte vorsehen. Für solche Mitglieder sind Wasserwerte leider oft einfach nur Zahlen, die es anzupassen gilt, ohne dass die chemischen Sachverhalte und die Dynamik, welcher die einzelnen Werte zugrundeliegen, auch nur ansatzweise verstanden wird.
Diese Seite ist vor allem für solche Anfänger gedacht, welche sich die Grundlagen der aquaristischen Wasserchemie anlesen wollen bzw. mit dem Gedanken spielen, chemische Wasserparameter gezielt zu verändern. Es soll sich lediglich um eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Sachverhalte handeln und nur die allerwichtigsten Informationen bieten, um die grundlegende Bedeutung der einzelnen Werte zu verstehen.


2. Definitionen

2.1. Gesamthärte – GH


Die Gesamthärte beschreibt die Summe an Erdalkaliionen, hauptsächlich Calcium und Magnesium, welche im Wasser gelöst sind. Sie gelangen ins Wasser, wenn das Regenwasser durch Gesteinsboden sickert und aus diesem kontinuierlich Ionen herauslöst. Je leichter löslich das Gestein ist, durch welches das Wasser sickert, desto größer wird die GH. Das Verhältnis von Calcium zu Magnesium beträgt meist ungefähr 10:1. Diese Ionen bilden in Verbindung mit Hydrogencarbonat Kalkablagerungen und sind somit für die Kalkränder verantwortlich, welche wir aus dem Haushalt kennen.
Gemessen wird die GH in der Regel mit Tropftests oder Teststreifen und die Angabe erfolgt in ° dGH (Grad deutscher Gesamthärte).

2.2. Karbonathärte – KH


Die Karbonathärte beschreibt den Gehalt an Hydrogencarbonaten und Carbonaten (Kalk) des Wassers. Diese gelangen ebenfalls durch Auflösevorgänge von Gesteinen ins Wasser. Je kalkhaltiger ein Gestein ist, desto höher wird die KH des Wassers, welches durch es hindurchsickert. Die KH beträgt in der Regel 70–80% der Gesamthärte. Die Karbonathärte ist in aquaristischer Hinsicht interessant, da sie direkten Einfluss auf den pH-Wert hat. Hydrogencarbonate und Carbonate verändern den pH-Wert zu höheren Werten hin, machen Wasser also basisch. Gleichzeitig fungieren sie als Puffer, das heisst sie stabilisieren den pH-Wert und machen ihn gegenüber Veränderung durch Zugabe von Säuren oder Laugen unempfindlicher. Durch Abkochen kann die Karbonathärte theoretisch aus dem Wasser entfernt werden, was aus energetischer Sicht bei größeren Wassermengen aber nicht sinnvoll ist.
Die Messung erfolgt mit Tropftests oder Teststreifen, die Angabe erfolgt in ° dKH (Grad deutscher Karbonathärte).

2.3. Resthärte


Die Resthärte – oder auch Sulfathärte – stellt neben der Karbonathärte den restlichen Teil der im Wasser gelösten Anionen dar, hauptsächlich Sulfat und Chlorid. Sie verbleiben im Gegensatz zur Karbonathärte auch beim Abkochen im Wasser und bilden den sogenannten Kesselstein.
Die Resthärte wird im aquaristischen Bereich nicht gemessen, ihr ungefährer Wert ergibt sich aus der Differenz von Gesamt- und Karbonathärte.


2.4. pH-Wert


pH ist die Abkürzung der lateinischen Bezeichnung “pondus hydrogenii”, wörtlich übersetzt “Gewicht des Wasserstoffs”. Gemeint ist die Konzentration an Wasserstoffionen. Diese bestimmt, ob ein Wasser sauer (pH < 7), neutral (pH = 7) oder basisch/alkalisch (pH > 7) reagiert. Reines Wasser hat einen pH-Wert von 7. Reines Wasser findet man allerdings selten, allein durch Kontakt mit der Luft sinkt der pH-Wert von destilliertem Wasser durch Aufnahme von CO2 aus der Luft auf Werte um 6 ab. Der pH-Wert von Wasser wird auch durch viele andere Substanzen, zum Beispiel Spuren von gelösten Gesteinsmineralien, Stoffwechselprodukten von Lebewesen u.a. beeinflusst. Die Summe aller Inhaltsstoffe bestimmt, wo sich der pH-Wert eines Wassers einpendelt.
Gemessen wird der pH-Wert im aquaristischen Bereich entweder durch Indikatorstreifen (Papierstreifen, die mit einem Gemisch an pH-Indikatoren behandelt wurden), Tröpfchentests (das selbe in flüssiger Form) oder elektronisch mit pH-Elektroden. Die größte Genauigkeit lässt sich mit der elektronischen Messung erreichen, allerdings nur bei sachgemäßer Pflege und Wartung der Elektrode. Für den aquaristischen Alltag reichen wohl meist Tropftests aus, mit welchen man eine Genauigkeit von 0,2 bis 0,1 Einheiten erreichen kann, Teststreifen liefern eine maximale Ablesegenauigkeit von 0,3 Einheiten, mit guten pH-Elektroden (welche dann allerdings dementsprechend teuer sind) kann auch die zweite Nachkommastelle des pH-Wertes bestimmt werden.
Bei der Beurteilung des pH-Wertes ist zu beachten, dass er eigentlich keine direkte Konzentrationsangabe ist, sondern den negativen dekadischen Logarithmus der Wasserstoffionenkonzentration darstellt. Was dies für die Praxis bedeutet, sei anhand eines Rechenbeispieles verdeutlicht. Wir gehen von einer (fiktiven) Wasserstoffionenkonzentration von 0,01 mol pro Liter aus. Durch Logarithmieren dieses Wertes erhalten wir einen pH-Wert von 2. Jetzt verzehnfachen wir die Wasserstoffionenkonzentration und gehen von einer neuen Konzentration von 0,1 mol pro Liter aus. Es ergibt sich ein pH-Wert von 1. Eine Veränderung des pH-Wertes um eine Einheit entspricht also in Wirklichkeit der Verzehnfachung (oder der Reduzierung auf 1/10) der Wasserstoffionenkonzentration, zwei Einheiten entsprechen bereits dem Faktor 100! Dies sollte man berücksichtigen, wenn man den pH-Wert in seinem Aquarium verändern will.

2.5. Ammonium/Ammoniak


Fische scheiden überschüssigen Stickstoff als Ammoniak aus, außerdem wird beim Abbau von organischem Material durch Bakterien im Aquarium zusätzlich Ammonium freigesetzt. Ammonium selbst ist für Fische relativ ungiftig und wird teilweise von Pflanzen als Nährstoff aufgenommen. Ammonium wandelt sich zum Teil allerdings in Ammoniak – einem starken Fischgift – um. Wie groß dieser Anteil ist, hängt vom pH-Wert des Wassers ab. Unter sauren Bedingungen erfolgt praktisch keine Umwandlung zu Ammoniak, bei pH-Werten über 7 liegt ein kontinuierlich steigender Anteil von Ammoniak vor.
In einem gut funktionierenden Aquarium ist nie sehr viel Ammonium vorhanden, weil es von den Bakterien der Nitrifikationskette sofort zu Nitrit und Nitrat oxidiert wird. Größere Mengen Ammonium finden sich fast ausschließlich in der Einfahrphase des Becken oder bei (Zer)Störung der Population an Abbaubakterien, zum Beispiel durch eine zu gründliche Filterreinigung. Zur Messung der Ammoniumkonzentration sind Tropftests erhältlich, die Angabe erfolgt in mg/L.

2.6. Nitrit


Nitrit ist das erste Zwischeprodukt der Nitrifikation und ein recht starkes Fischgift. In einem gut funktionierenden Aquarium ist Nitrit normalerweise nicht nachweisbar, da entstehendes Nitrit sofort zu Nitrat weiteroxidiert wird. Lediglich in der Einfahrphase eines Becken, wenn noch nicht genügend Abbaubakterien vorhanden sind oder bei (Zer)Störung der Abbaubakterien kommt es zu einem messbaren Anstieg der Nitritkonzentration. Da sich mit steigender Nitritkonzentration etwas zeitversetzt nitritabbauende Bakterien im Becken etablieren, verläuft die Nitritkonzentration meist peakartig, d. h. sie steigt anfangs mehr oder minder stark an um schließlich einen Höhepunkt zu erreichen und von dort wieder gegen Null abzufallen. Das Ganzen nennt sich dann Nitritpeak und ist ein Phänomen, das in sehr vielen frisch eingerichteten Becken zu beobachten ist. Hat ein Becken den Nitritpeak hinter sich, kann davon ausgegangen werden, dass die Bakterien darin in der Lage sind, die Ausscheidungen der ersten Fische in ungiftiges Nitrat umzusetzen. Gemessen wird die Nitritkonzentration mit Tröpfchentests, beim Kauf sollte darauf geachtet werden, eine Test mit niedriger Nachweisgrenze (0,1 mg/L) zu kaufen. Die Angabe der Konzentration erfolgt in mg/L.

2.7. Nitrat


Nitrat ist das Endprodukt der Nitrifikationskette und wird nicht weiter umgesetzt, sondern reichert sich im Aquarienwasser an. Nur in Aquarien mit geringem Fischbesatz und gutem Pflanzenwuchs wird das ganze anfallende Nitrat von den Pflanzen aufgenommen, meist fällt mehr Nitrat an als von den Pflanzen verbraucht wird und es muss durch Wasserwechsel aus dem Aquarium entfernt werden. Dabei pendelt sich die Nitratkonzentration mit der Zeit bei einem bestimmten Wert ein. Wie hoch dieser Wert liegt, hängt vom Fisch- und Pflanzenbesatz, von der Häufigkeit der Wasserwechsel, der Menge an gewechseltem Wasser und auch vom Nitratgehalt des Wechselwassers ab.
Anzustreben ist eine Nitratkonzentration zwischen 5 und 15 mg/L, diese Konzentration ist nötig um schnellwachselnde Wasserpflanzen optimal mit Stickstoff zu versorgen. Werte, die darüber liegen sind für Fische nicht gefährlich, stellen aber ein von den Pflanzen ungenutzes Nährstoffangebot dar, welches dann evtl. von Algen ausgenutzt wird. Ein zu hoher Nitratwert (wie hoch zu hoch jetzt wirklich ist, wird kontrovers diskutiert, ich setze die Grenze bei ungefähr 50 mg/L (Grenzwert für Trinkwasser)) kann ein Hinweis auf zu hohen Fischbesatz im Aquarium sein. Die Messung erfolgt mit Streifen- oder mit Tropftests, die Angabe erfolgt in mg/L.

2.8. Phosphat


Phosphat gelangt über Fischausscheidungen und durch den Abbau von organischen Abfallstoffen im Aquarium ins Wasser. In geringen Konzentrationen ist Phosphat ein Pflanzennährstoff, in den meisten Becken ist Phosphat jedoch im Überschuss vorhanden. Phosphat wird hauptsächlich durch Fischfutter in das Aquarium eingebracht und durch Pflanzen bzw. durch Wasser wechsel daraus entfernt. Ebenso wie ein zu hoher Nitratwert ist auch ein zu hoher Phosphatwert ein Indiz für eine hohe organische Belastung des Aquarienwassers und kann sich förderlich auf das Wachstum von Algen auswirken. Die Messung der Phosphatkonzentration erfolgt mit Tropftests, die Angabe erfolgt in mg/L.

2.9. Eisen


Eisen ist ein wichtiger Mineralstoff für Aquarienpflanzen und ist daher in vielen Pflanzendüngern enthalten. Da Eisen relativ leicht nachzuweisen ist, wird es oft als Repräsentant für die Nährstoffversorgung der Pflanzen herangezogen, d. h. anstatt alle Mineralstoffe einzeln zu bestimmen, wird einfach der Eisengehalt im Aquarienwasser gemessen und die Düngung daran angepasst. Die empfohlenen Eisenkonzentrationen variieren je nach Quelle star, Andreas Kremser gibt eine Optimalkonzentration von 0,05–0,1 mg/L an, ab 0,2 mg/L spricht er von chronischen Schädigungen der Fische.
Die Messung des Eisengehaltes erfolgt mit Tropftests, die Angabe der Konzentration erfolgt in mg/L.

3. Veränderung von Wasserwerten

3.1. Wasserhärte


Um die Wasserhärte (also Gesamthärte, Karbonathärte und Resthärte gleichermaßen) abzusenken, haben sich in der aquaristische Praxis verschiedene Methoden bewährt. Da die Wasserhärte nur in den seltensten Fällen auf 0 gesenkt werden soll, wird normalerweise nur ein Teil des Wassers vollständig enthärtet und diesem dann durch Verschneiden mit Leitungswasser auf die gewünschte Härte gebracht. Zur Berechnung des benötigten Mischungsverhältnisses zum Erzielen einer bestimmten Wasserhärte steht auf http://www.zierfischforum.at/gh_kh_leitwert.php ein Mischungsrechner zur Verfügung. Nun aber zu den Methoden der Wasserethärtung:

3.1.1. Umkehrosmose


Die Umkehrosmose ist im Prinzip eine Filtration, d. h. Wasser wird mit Druck durch eine Kunststoffmembran (Polyamid) gepresst, welche die im Wasser gelösten Mineralstoffe zurückhält und nur die Wassermoleküle passieren lässt. Diese Filtration funktioniert nicht perfekt, es werden aber je nach Qualität und Betriebsweise der Anlage 90–98% der gelösten Stoffe entfernt. Um eine Verstopfung der Membran durch Auskristallisieren der zurückgehaltenen Mineralstoffe zu verhindern, muss die Druckseite der Membran permanent gespült werden, um diese zu entfernen. Das von der Druckseite der Membran abgeführte Spülwasser wird in der Regel verworfen, und dies ist wohl auch der größte Nachteil der Umkehrosmose. Das Verhältnis von Permeat (enthärtetes Wasser) zu Abwasser beträgt je nach Qualität und Betriebsweise der Anlage zwischen 4:1 bis 1:1, d. h. es wird mindestens gleich viel bis vier mal so viel Abwasser wie Permeat produziert. Ein weiterer Nachteil ist der relativ geringe Wasserdurchsatz (kleinere Anlagen produzieren nur wenige Liter Permeat pro Stunde, größere entsprechend mehr), so dass das Permeat stets auf Vorrat produziert werden muss. Dem gegenüber steht die extreme Betriebsfreundlichkeit und Wartungsarmut einer Umkehrosmoseanlage. Außer dem regelmäßigen Spülen der Membran und der Wartung der Filter erfodert eine Umkehrosmoseanlage keine permanenten Wartungsarbeiten. Die Membranen unterliegen einer gewissen Alterung und müssen im Abstand von einigen Jahren getauscht werden. Ein weiterer Vorteil von Umkehrosmoseanlagen ist, dass sie nicht nur Härtebildner zurückhalten, sondern auch organische Verunreinigungen sowie Chlor und sogar Bakterien.

3.1.2. Ionenaustausch


Hierbei wird das Wasser über ein Kunstharzgranulat geleitet, dessen Oberfläche so modifiziert wurde, dass es alle Ionen aus dem Wasser aufnimmt und stattdessen H+ oder OH- Ionen an das Wasser abgibt. Ein Kationentauscherharz tauscht alle Kationen gegen H+ aus, das resultierende Wasser hat eine GH von 0 und ist stark sauer. Durch die Ansäuerung des Wassers reagiert die KH zu Kohlendioxid ab und entweicht aus dem Wasser. Die verbliebenen Anionen werden durch ein Anionentauscherharz entfernt und gegen OH- Ionen ausgetauscht, welche mit verbliebenen H+ Ionen zu Wasser abreagieren. Die Harzgranulate sind in der Regel in Säulen mit Zu- und Abfluss verpackt. Je nach Kombination der beiden Harze können verschiedenste Ergebnisse erzielt werden:
– Teilentsalzung: Das Wasser wird nur über einen Kationentauscher geleitet. Bei Verwendung eines stark sauren Kationentauschers ist die GH und auch die KH des aufbereiteten Wassers 0; der pH liegt bei 3 und muss durch Verschneiden mit etwas Leitungswasser wieder etwas angehoben werden. Bei Verwendung eines schwach sauren Kationentauschers beträgt die GH hingegen die Differenz von GH und KH im Ausgangswasser, die KH wird auf 0 gesenkt und der pH wird kaum beeinflusst. Es ist anzumerken, dass sich die Teilentsalzung nur für die Herstellung von mittelweichem Wasser eignet. Extrem weiches Wasser zeichnet sich durch extreme Ionenarmut aus, welche durch eine Teilentsalzung nur bedingt erreicht wird, da Sulfat- und Chloridanionen nicht entfernt werden. Außerdem kann durch Teilentsalzung die GH nicht vollständig entfernt werden. Eine Ausnahme wäre Ausgangswasser, dessen GH gleich groß wie dessen KH ist (also sind keine Chloride und Sulfate enthalten und die Differenz von GH und KH ist 0)
– Vollentsalzung: Hier wird das Wasser zuerst über einen stark sauren Kationentauscher und dann über einen schwach basischen Anionentauscher geleitet. Resultat ist Wasser mit GH und KH 0 und einem pH um den Neutralpunkt. Eine Alternative ist die Verwendung einer Mischbettsäule, hier wird eine Mischung aus Kationen-und Anionentauscherharz in einer Säule eingesetzt, was eine Regeneration der Säulen durch den Anwender allerdings unmöglich macht. Das so aufbereitete Wasser ist destilliertem Wasser gleichzusetzen und enthält fast keine gelösten Mineralstoffe mehr.
Sobald die Oberfläche der Harze mit Ionen abgesättigt ist, müssen diese wieder abgewaschen werden. Dies geschieht durch Spülen des Kationentauschers mit verdünnter Salzsäure und des Anionentauschers mit verdünnter Natronlauge. Der Umgang mit diesen Chemikalien ist nicht ganz ungefährlich und erfordert die Kenntnis der grundlegenden Sicherheitsvorkehrungen im Umgang mit Säuren und Laugen. Diese Regeneration ist der größte Nachteil von Ionentauschern, weil sie erfahrungsgemäß immer dann notwendig ist, wenn man gerade größere Mengen an Wasser braucht und einen bestimmten Aufwand an Zeit und Chemikalien erfordert. Dem gegenüber stehen die Vorteile des hohen Wasserdurchsatzes (mehrere Liter pro Minute) der Säulen, der langen Standzeit der Harze bei guter Pflege und der geringen Produktion an Abwasser (welchem allerdings der Chemikalienverbrauch entgegensteht)


3.1.3. Weitere Quellen für weiches Wasser


3.1.3.1. Destilliertes Wasser

Eine weitere Möglichkeit die Wasserhärte zu senken ist der Verschnitt des Wassers mit destilliertem Wasser. Aus energetischen Gründen ist das Destillieren von Wasser zuhause jedoch nicht zu empfehlen, es ist einfach zu teuer. Destilliertes Wasser (welches eigentlich Umkehrosmose- oder vollentsalzes Wasser ist) kann man in Baumärkten für ca. 1,50 Euro für 5 Liter kaufen. Für größere Aquarien ist die Lösung definitiv zu teuer, aber für kleinere Becken wie zum Beispiel Zuchtaquarien kann sich diese Variante durchaus lohnen, wenn keine anderen Möglichkeiten der Aufbereitung zur Verfügung stehen.


3.1.3.2. Quellwasser

Einige Aquarianer haben das Glück eine Quelle in ihrer Nähe zu haben, welche Wasser mit im Vergleich zum Leitungswasser relativ niedriger Härte liefert. Ist man mit genügend Kanistern und einem Auto zum Transport (und genügend Zeit) ausgestattet, bietet sich die Verwendung von Quellwasser zum Verschneiden des Leitungswassers an.


3.1.3.3. Regenwasser

Auch Regenwasser eignet sich unter bestimmten Voraussetzungen zum Verschneiden des Leitungswassers. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass das Wasser frei von Verunreinigungen ist. Daher solle der erste Regen nach einer längeren Trockenperiode nicht verwendet werden, weil dieser viel Staub und Schadstoffe aus der Atmosphäre wäscht. Bei Ableitung des Wassers von einem Dach ist ebenso darauf zu achten, dass Verunreinigungen durch Schornsteinabgase, Vogelkot und Staub aus der Atmosphäre vom ersten Regen abgewaschen werden, bevor man das Regenwasser auffängt. Ein weiteres Tabu sind Dachrinnen aus Kupfer, da Kupfer bereits in geringsten Konzentrationen schädlich oder gar tödlich für die Aquarienbewohner ist.


3.1.4. Aufhärten von Wasser


In sehr vielen Fällen, in denen Aquarianer im Forum nach den Möglichkeiten die Wasserhärte zu verändern anfragen, wollen sie die Wasserhärte senken. Viel seltener kommt es vor, dass es nötig ist, die Wasserhärte zu erhöhen, zum Beispiel für die Pflege von ausgesprochenen Hartwasserfischen, wenn eine große Schneckenpopulation dem Aquarienwasser vermehrt Mineralstoffe entzieht oder wenn das Leitungswasser dermaßen belastet ist, dass es nicht zum Verschneiden mit aufbereitetem Wasser geeignet ist.
Die Aufhärtung erfolgt mit speziellen Aufhärtesalzen aus dem Fachhandel. Möchte jemand sein Aufhärtesalz selbst mischen, so ist auf der Seite von Andreas Kremser eine Rezeptur zu finden: http://www.drak.de/Produkte/Duradrakon.html
Sollte das Wasser speziell für Cichliden aus dem Malawi- oder Tanganjikasee aufbereitet werden, so sind spezielle hierfür geeignete Salzmischen zu verwenden. Auch dafür finden sich die Rezepturen auf Andreas Kremsers Seite.
Während oben genannte Aufhärtesalze die GH und die KH erhöhen, kann durch den Einsatz von Natriumhydrogencarbonat allein die KH angehoben werden. 3,0 g Natriumhydrogencarbonat auf 100 Liter Wasser erhöhen die KH um 1° dKH. Alternativ kann auch Kaliumhydrogencarbonat verwendet werden, welches den Vorteil hat, dass das Kalium den Pflanzen zugute kommt. Davon müssen 3,57 g auf 100 Litern eingesetzt werden, um die KH um 1° dKH zu erhöhen. Beide Substanzen sind in Apotheken erhältlich.
Soll nur die GH angehoben werden, so wird dafür Calciumsulfat verwendet.

3.2. pH-Wert


Die Einstellung eines bestimmten pH-Wertes im Aquarienwasser ist etwas schwieriger als die Anpassung anderer Wasserparameter, da der pH-Wert nicht nur durch einer oder zwei chemischen Spezies definiert wird sondern Resultat der Konzentration verschiedener Stoffe ist, welche aufgrund verschiedener Stoffwechselwege und Gleichgewichte im Aquarium noch dazu Schwankungen unterworfen sind.
Nichtsdestotrotz ist es möglich, den pH-Wert durch durchdachte Maßnahmen zu verändern. Dabei gilt es jedoch einige Sachverhalte zu bedenken, von welchen der Erfolg der Aktion letztendlich abhängt:
– Wie schon bei seiner Definition beschrieben, ist der pH-Wert eine logarithmische Größe. Eine Änderung des pH-Wertes um eine Einheit entspricht einer Veränderung der Wasserstoffionenkonzentration um den Faktor 10. pH-Änderungen müssen daher besonders vorsichtig erfolgen.
– Hyrogencarbonat (also die KH) stellt einen pH-Puffer dar, welcher ungefähr bei pH 8,5 puffert; das heisst, je höher die KH eines Wassers ist, desto näher liegt der pH-Wert an 8,5. Umgekehrt gilt auch: je weiter der pH-Wert abgesenkt werden soll, desto mehr muss die KH vorher abgesenkt werden.
– Verwendet man “starke” Mittel zur Senkung des pH-Wertes, reagiert die KH zumindest teilweise zu Kohlendioxid ab, wobei für Fische toxische Kohlendioxidkonzentrationen entstehen können. Eine solche Absenkung hat daher unbedingt außerhalb des Aquariums unter anschließender Entfernung des angefallenen Kohlendioxids zu geschehen.
– Neben dem Hydrogencarbonatpuffer (KH) gibt es noch andere Puffersysteme im Aquarienwasser, die den pH-Wert beeinflussen (Phosphate, Huminsäuren) und die wir nicht messen können. Die Veränderungen erfolgen daher kontinuierlich unter ständiger messtechnischer Kontrolle des pH-Wertes, bis der Sollwert erreicht ist (und auch danach kann sich der Wert wieder verändern).
Nun aber zu den verschiedenen Methoden:

3.2.1. Veränderung der KH


Wie schon beschrieben, stehen KH und pH in direktem Zusammenhang miteinander. Eine Veränderung der KH zieht also eine Veränderung des pH-Wertes nach sich. In Zahlen: Eine Halbierung der KH senkt den pH-Wert jeweils um 0,3 Einheiten. Eine Absenkung der KH von 16° dKH auf 4° dKH entspräche also einer Absenkung des pH-Wertes um 0,8 Einheiten. In manchen Fällen mag eine solche Absenkung schon genügen, ansonsten ist die Absenkung der KH Grundlage für die weitere Veränderung des pH-Wertes.

3.2.2. Mineralsäuren


Eine sehr effektive Methode zur Absenkung des pH-Wertes ist die Zugabe von Mineralsäure – meist Salzsäure – zum Wasser. Die Mineralsäure bewirkt eine Absenkung der KH (unter Entstehung von Kohlendioxid) worauf die Absenkung des pH basiert. Ein Tool zur Berechnung der erforderlichen Menge an Salzsäure findet man auf der Seite von Olaf Deters


3.2.3. Huminsäuren


Eine gewissermaßen biologische Alternative zu Mineralsäuren ist der Einsatz von Huminsäuren zur Absenkung des pH-Wertes. Huminsäuren sind (poly)aromatische Carbonsäuren, welche bei der Zersetzung von organischen Materialien freigesetzt werden. Sie sind wesentlich weniger starke Säuren als Mineralsäuren, daher fällt ihre Wirkung geringer aus und setzt eine nicht all zu hohe KH voraus. Durch die abgeschwächte Wirkung können sie fast nicht überdosiert werden. Eingesetzt werden Huminsäuren in Form von:
– Torf: er kann – entsprechend verpackt – direkt im Becken, im Filter oder auch im Wechselwasser eingesetzt werden
Erlenzäpfchen: werden getrocknet und i.d.R. direkt ins Becken gegeben
– Eichen- und Buchenlaub: werden im Herbst / Winter? in getrockneter Form gesammelt und direkt ins Becken gegeben
Weiters geben auch verschiedene Holzwurzeln Huminsäuren ab, da man diese jedoch nicht so oft ersetzt ist diese Wirkung zeitlich beschränkt.
Neben den Huminsäuren bringen die oben genannten Stoffe auch noch Gerbstoffe und andere organische Substanzen ins Wasser, welche in Summe den pH-Wert absenken, das Wasser gelb-bräunlich verfärben und die Keimdichte reduzieren. Insgesamt haben diese “rein biologischen” Mittel also eine Reihe von positiven Effekten auf das Aquarienwasser, die Braunfärbung ist jedoch nicht jedermanns Sache.

3.3. Ammonium/Ammoniak


Ammonium oder Ammoniak sollten längerfristig in einem Aquarienwasser nicht in größeren Mengen nachweisbar sein. Lediglich in der Einfahrphase, also den ersten Wochen nach Neuenrichtung eines Aquariums und nach kräftiger Fütterung können diese Verbindungen im Wasser auftreten. Sie sollten dann aber rasch von Nitritbakterien zu Nitrit oxidiert werden. Nur wenn diese Bakterien noch nicht in ausreichendem Maß vorhanden oder geschädigt sind, können sich größere Mengen Ammonium / Ammoniak? im Wasser anhäufen. Liegt dabei der pH-Wert unter 7, besteht keine akute Gefahr für die Fische, weil praktisch nur Ammonium und kein Ammoniak vorliegt. Liegt der pH-Wert jedoch deutlich über 7, wandelt sich ein Teil des Ammoniums in fischtoxisches Ammoniak um. Hier ist ein sofortiger großzügiger Wasserwechsel anzuraten, um das Fischgift aus dem Wasser zu entfernen. Anschließend sollte man sich auf die Suche nach den Ursachen für die Ammoniakbildung machen. Meist wird es ein schlecht eingefahrenes Becken, Überbesatz mit zu intensiver Fütterung oder Zerstörung der Bakterienflora durch Medikamente der Grund sein. Das Animpfen des Beckens mit Filterschlamm aus einem gut eingefahrenen Becken, mäßiger Besatz mit entsprechender Fütterung und der vorsichtige Einsatz von bakterienschädlichen Medikamenten sollten das Risiko einer Ammoniakvergiftung minimieren.


Erstellt von Markus Verginer
Kritik und Anmerkungen bitte als pm im Forum
Letzte Änderung: 11.09.2006


 
Zu dieser Seite gibt es keine Dateien. [Zeige Dateien/Upload]
Kein Kommentar. [Zeige Kommentare]